Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

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cap
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Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von cap »

Hallo an alle Forenmitglieder, Schwedinnen und Schweden, sowie an alle Schwedenfans,

ich habe mich schon vor einer Weile registriert und als stiller Mitleser fleißig ganz viele Beiträge gelesen. Die meisten Beiträge steigern meine Schwedenlust immer weiter :sweetheart:

Meine Frau und ich lieben Schweden. Die Mentalität, die Natur, das Klima und die Kultur. Aktuell heißt es für uns tagtäglich: plugga, plugga, plugga att prata ordentlig svenska. :flagge3:

Ein bisschen brauchen wir allerdings noch, da es gar nicht so einfach ist, wie man das am Anfang vermutet hat. :lol:

Dennoch planen wir perspektivisch unseren Lebensmittelpunkt nach Schweden zu verlegen, sehen allerdings nicht nur nach 'Goodbye Deutschland'-Manier ausschließlich die rosigen Seiten. Ich habe eine chronische neurologische Erkrankung und benötige im Abstand von 4-6 Wochen ein Medikament, welches in der Regel durch (zumindest in Deutschland einen Fach-)Arzt verabreicht wird. Jetzt lesen wir eigentlich überall nur, dass man grundsätzlich mit langen Wartezeiten auf Termine und teilweise eher dürftiger Behandlung rechnen sollte, was einen als Chroniker zunächst erst einmal abschreckt. Dennoch lese ich auch immer wieder von einem hohen medizinischen Standard sowie den Umständen angemessener medizinischer Versorgung (denn vieles ist ja teilweise auch schon zum deutschen Luxus geworden, dass man sich jederzeit auch wegen kleinerer Belange beim Arzt vorstellen könnte).

Meine Frau und ich gehen als Apothekerin und Arzt nach Schweden und planen auch in unseren Berufen dort zu arbeiten. Nun klingt es vielleicht seltsam, wenn ein Arzt schreibt, dass er hofft in Schweden ärztlich versorgt zu werden, aber ich baue bei meiner eigenen Gesundheit dennoch auch auf das spezielle Fachwissen anderer Kollegen, da meine eigene Erkrankung nicht in meinem Fachgebiet angesiedelt ist. Die Applikation meiner Medikation könnte ich sicherlich auch selbst übernehmen (weiß jedoch nicht, ob das in Schweden gerne gesehen ist, da das hier in Deutschland immer der jeweilige Spezialist machen sollte. Aber die Routinekontrollen etc.?)
Ich bin auf jeden Fall kein Patient, der das Gesundheitssystem überbeanspruchen will, aber ich wollte mich vorher absichern, dass meine routinierten Termine gesichert und ich im Notfall (sowie natürlich auch meine Familie) gut versorgt wären.

Deshalb wollte ich Euch nach evtl. sogar eigenen Erfahrungen fragen, wie man als chronisch Kranker, aber arbeitsfähiger Mensch, in Schweden so lebt.

Schön einmal vielen, vielen Dank für Eure Antworten. Falls Ihr noch irgendwelche genaueren Rückfragen habt, um meine Frage beantworten zu können, dann bin ich dafür jederzeit offen.

Liebe Grüße
cap
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hemmainorr
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von hemmainorr »

Hej und willkommen im Forum!

Ich kann zur ärztlichen Betreuung in Schweden nichts sagen, habe aber den Tipp für Euch, schwedisch im Fachbereich zu lernen. Dies wird unter anderem an der folkuniversitet (https://www.folkuniversitetet.se/kurser ... d=&p=2&s=1) angeboten und nennet sich Sjukvårdssvenska, wird dort sowohl für Krankenschwestern und Ärzte als auch Altenpflegepersonal angeboten.

Dann muss euch klar sein, dass ihr beiden einen Beruf ausübt, der in Schweden reglementiert ist, dies bedeutet, dass ihr bestimmte Voraussetzungen erfüllen müsst, damit ihr in Schweden praktizieren bzw arbeiten dürft. Diese Information kann man sowohl auf der Seite von universitets- och högskolrådet (https://www.uhr.se/bedomning-av-utlands ... ade-yrken/) als auch auf der Seite von socialstyrelsen ( www.socialstyrelsen.se) nachlesen.
Da es sich um reglementierte Berufe handelt, sollten euer Sprachniveau zum Zeitpunkt der Bewerbung mindestens auf B2 sein (Nachweis erforderlich).

Lycka till och en fortsatt trevlig söndag

Liebe Grüße
cap
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von cap »

Vielen Dank für deine Antwort. Das Angebot der folkuniversitet gucke ich mir auf alle Fälle mal näher an. Aktuell machen wir bereits zwei Sprachkurse, einen für Alltagsschwedisch und dann noch jeweils einen berufsbezogeneren. Allerdings koordinieren wir das noch mit dem normalen Alltag. Eine intensivere Phase müssen wir irgendwann auf alle Fälle irgendwann einplanen, da scheint das Angebot unter dem von dir angegebenen Link ganz gut zu sein.

Dass beide Berufe in Schweden, wie auch in Deutschland reglementiert sind, wissen wir bereits. Aber dennoch vielen Dank für den Hinweis. In Schweden brauchen wir dann sogar ein C1-Niveau, was auf alle Fälle sportlich wird, aber hoffentlich mit etwas Mühe machbar. 😅

Tack så mycket. Ha en trevlig söndag! ☺️
Wolfi
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von Wolfi »

Hallo!

Das Gesundheitssystem in Schweden ist eine reine Katastrophe!

Allerdings sollte es problemlos klappen, Medikamente zu bekommen, wenn eine entsprechende Vorgeschichte belegt wird.

Einfach in der örtlichen Vårdcentral anrufen. Die sjuksköterska kümmert sich dann schon.
Hälsningar

Wolfgang
cap
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von cap »

Hej Wolfgang,

Oh Gott. Das klingt ja alles andere als nach dem Vorzeigesystem 'skandinavisches Gesundheitssystem', was makroökonomisch immer so angepriesen wird. Aber vielen Dank für deine Ehrlichkeit.

Schönen Wochenstart.
33981
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von 33981 »

Habe dir eine PM geschickt.
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volvodidi
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von volvodidi »

Als Ausländer bekommst du nur das nötigste, wenn überhaupt (ich glaube den Schweden geht es da auch nicht viel besser).
Aus eigener Erfahrung, hab mir mal da oben im Wald das Trommelfell perforiert (dumm gelaufen).
Bin nach Motala in die Notaufnahme, die haben sauber gemacht, und erzählt was sie machen könnten (haben aber ausser reinigen nix gemacht).
Ich sollte dann am nächsten Tag nach Linköping in die Uniklinik, dort wurde auch nur noch ein bisschen gereinigt, und erzählt was sie machen könnten...... Ich sollte dann sehen, das kein Wasser ran kommt.
Als ich nach einer Woche wieder zuhause war, bin ich erstmal zum HNO Arzt gegangen.
Der hat als erstes die Funktion des Gehörs über den Knochen geprüft (war zum Glück nix defekt). Auf die Idee kam da oben keiner.
Das große Problem an den Gesundheitszentralen ist, das du wenn du pech hast gerade kein Facharzt für dein Anliegen vor Ort ist, dann musst du damit auskommen. Eine Arztwahl hast du da oben nicht wie in D.
Urlaub machen ja, aber auf Dauer da oben leben im Alter nein.
kellle
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von kellle »

Ich wundere mich immer wieder, dass es wohl Menschen gibt ,die denken, auf sie wird gewartet. :pfeif: :pfeif:
Norbi54
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von Norbi54 »

Ich habe bei einer 6-wöchigen Solo-WoMo-Tour in den hohen Norden vor 6 Jahren einen Bandscheibenvorfall erlitten und in Bengtsfors in Dålsland eine vårdcentral aufgesucht, in der Hoffnung, eine Spritze zu bekommen, um noch die letzten ca. 1400km plus Fähre zu schaffen.
Habe im Warteraum der vårdcentral eine Nummer ziehen müssen, wie an einer Fleischtheke, und wurde dann irgendwann aufgerufen.
Es hieß, dass dort während der Sprechstunden immer nur ein Arzt ist und einige Krankenschwestern.
Ich hatte nicht das Glück an den Arzt zu gelangen und die Krankenschwester hat eine Spritze von vornherein abgelehnt.
Alles was sie getan hat ( tun durfte ??? ) waren Rezepte für rezeptfreie "Ibuprofen 400" ( am Vortag war mein Vorrat an "IBO 800" ausgegangen ) und Parazetamol, auch rezeptfrei.
Das hab ich dann in der Apotheke im gleichen Haus gekauft und mich noch 3 Tage auf einem Campingplatz herumgedrückt, bevor ich mit Schmerzen die weite Heimreise angetreten bin.
Nach 3 Wochen zu Hause lag ich schon unterm Messer, ein Nerv war eingeklemmt, ein Stück vom Wirbelknochen musste abgeknipst werden.
Der Nerv hat sich bis heute nicht wieder erholt.
cap
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von cap »

@volvodidi: Vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht. Das ist ja alles für dich gar nicht gut gelaufen. Leider muss ich an der Stelle gestehen, dass ich in meiner Jugend 1:1 die gleiche Erfahrung gemacht habe, allerdings nicht im Wald und leider hier in Deutschland. Mein Vorteil war damals auch, dass meine Eltern noch eine Zweitmeinung eingeholt hatten, was ja aber scheinbar schwer werden soll in Schweden. Aber vielen Dank für deine Erfahrungen.

@kellle: Es tut mir wirklich leid, wenn ich einen falschen Eindruck von mir und unserem Vorhaben gegeben habe. Ich habe eigentlich bislang nicht erwartet, dass jemand auf mich warten würde, aber da dies ein öffentliches Forum ist, steht es Dir natürlich frei, deine Meinung so zu schreiben, denn immerhin habe ich ja auf solche Beiträge "gewartet".

@Norbi54: Auch an Dich vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht. Es ist auf alle Fälle gut, zu hören, was einen in der Akutsituation so erwartet.

Euch allen einen schönen Montag.
Wernersvensk
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von Wernersvensk »

Hej,
wir haben hier einen deutschen Bekannten der hatte einen Venenverschluß im Bein ,wir haben ihn dann ins Krankenhaus gebrach wo man ihn innerhalb der nächsten Stunde operiert hat und einen Beipass gelegt hat ,er war dann noch 6 Tage im Krankenhaus ,kosten ansatz 77000 skr selbst
zubezahlen weil Deutscher Privatpatient. Das hat sich dann ein Jahr später wiederholt.
Das war über Akut ohne Einweisung vom Arzt.
Es ist einfach unterschiedlich manchmal hat man Pech .Bis Heute Wurde mir immer geholfen.

Hallo Wolfgang,
bei uns kümmert sich schon lange keine Krankenschwester mehr um die Arzneimittel .
Wir rufen zwischen 8-10 Uhr in der Vardzentrale an wenn man ein Rezept hat drückt man am Telefon die 2 und spricht den Medikamentenwunsch ins Telefon 2 Std später bekommt man eine SMS das Medikament kan in der Apotheke abgeholt werden ,in jeder Apotheke in Schweden.
Wenn man kein Rezept hat drückt man die 3 gibt seine Telefonnummer ein und wird nach geraumer Zeit angerufen ,bekommt dann einen Termin .geht zum Arzt ,bekommt ein Rezept und geht zur Apotheke und kauft das Medikament.

Mvh Werner
Wernersvensk
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von Wernersvensk »

Hallo Nobi,
es tut mir leid das es bei dir so gelaufen ist, aber Bengtfors ist gerade mal in Mittelschweden sehr schön da zum Kanu fahren,aber wenn du nach Säffle ins Krankenhaus gegangen wirst dann wäre es vielleich anders gelaufen.
Das Problem ist der Personalmangel und die Vardzentralen haben nur von 8 - 16:00 geöffnet wenn man etwas akutes hat muß man zur Akutmottagning ins Krankenhaus bei uns eigentlich 40 Km aber wenn es richtig schwierig wird nach 100 km Karlstad ,
als Tourist natürlich schwierig ,dann bleibt immer noch 112 und die Telefondeckung ist besser wie in Deutschland.
Aber Deutschland arbeitet ja auch schon daran die Krankenhäuser Anzahl zu veringern.
Mvh Werner
cap
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von cap »

Da scheine ich ja ein sehr brisantes Thema angesprochen zu haben. Aber das ist vielleicht ganz gut, da man solche Fragen in der Regel nur sehr schwer beantwortet bekommt.
kellle
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von kellle »

@kellle: Es tut mir wirklich leid, wenn ich einen falschen Eindruck von mir und unserem Vorhaben gegeben habe. Ich habe eigentlich bislang nicht erwartet, dass jemand auf mich warten würde, aber da dies ein öffentliches Forum ist, steht es Dir natürlich frei, deine Meinung so zu schreiben, denn immerhin habe ich ja auf solche Beiträge "gewartet".

@Norbi54: Auch an Dich vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht. Es ist auf alle Fälle gut, zu hören, was einen in der Akutsituation so erwartet.

Euch allen einen schönen Montag.
[/quote]

Warum hast Du darauf gewartet ? Ich gehe doch nicht mit schwerwiegenden Krankheiten in ein anderes Land wenn man in Deutschland gut versorgt ist.
Ich habe Pesonen getroffen die gejammert haben dass sie immer nach Deutschland müssen um Ihre Medikamente ( Rezepte ) zu holen.
Die sind dann hier von Arzt zu Arzt um genug Rezepte zu bekommen und einzulösen .Mehrmals bei der gleichen Fachrichtung.
cap
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von cap »

Vielen Dank für deine Antwort. Was ein bisschen mehr Text gleich alles ausmacht. 👍

Vielleicht habe ich mich ja selbst auch falsch ausgedrückt. Ich gehe ja nicht in ein anderes Land, um mich dort besser versorgen zu lassen. Aber es soll ja auch Menschen geben, die trotz Erkrankung ein paar Wünsche im Leben haben sollen, wie ich im beruflichen Alltag mitbekommen habe.

Ich kann deine Ausführungen auf alle Fälle verstehen, das ist sicherlich auch ein großer Faktor, welchen ich berücksichtigen muss, aber dennoch planen wir (und das soll keinesfalls überheblich klingen) als Arzt und als Apothekerin in ein anderes Land zu gehen und wir wollen auch nicht erstmal gehen und dann gucken wie wir Arbeit finden. Wir planen die Jobfindung schon vor der Existenzauflösung in Deutschland in die Wege zu leiten. Und falls wir nichts finden, wäre das sehr ärgerlich. Aber wenn wir beide im Beruf stehen sollten, habe ich doch schon die Hoffnung irgendwo im medizinischen Bereich unterzukommen und ggf. Zugang zu Medikamenten zu erhalten. Was natürlich nicht gleichzusetzen ist mit einem einfachen Zugang zu Rezepten - das weiß ich leider selber.

Aber dennoch vielen Dank, dass Du in deiner neuen Nachricht etwas präziser wurdest. Ich will meine Absichten ja auch nicht zu meinem Gunsten rechtfertigen, es ist ja gut, wenn ich die andere Seite auch mal höre. Aber grundsätzlich hätte ich halt schon die Hoffnung, dass man in Skandinavien etwas besser versorgt wäre als in so manchem Entwicklungsland
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von kellle »

Das ist gut möglich,aber nicht zwingend besser als in Deutschland.Hier ist es Jammern auf sehr hohem Niveau.
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michaelch
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von michaelch »

Ist schon lustig, wenn sich die Urlauber so über das Gesundheitssystem aufregen, wer in Schweden arbeitet bekommt auch da seine Medikamente die Er braucht. Und muss nicht für ein Rezept nach Deutschland fahren. Wer natürlich in Schweden nicht Versichert ist- weil man nur als Rentner- da wohnt . muss eben nach D zum Doc. Wer in Deutschland auf den Dorf wohnt muss auch zum Teil 100 km fahren um einen Facharzt zu bekommen wenn man Termin bekommt. Da sind wir nicht besser als in Schweden. Ich hatte vor 2 Jahren einen Unfall in Schweden, mit einer 4 Stunden OP. Ich hab mich nie besser Versorgt gefühlt und das ohne groß die Sprache zu sprechen. Die Nachversorgung in Deutschland war dagegen ein Alptraum... gruß vom michaelch
Wolfi
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von Wolfi »

Zur medizinischen Versorgung in Entwicklungsländern kann ich nichts sagen.

Für uns persönlich ist die Problematik in Schweden:

- die Zugänglichkeit. Oftmals wird man abgewimmelt, nicht ernst genommen, mit Schmerzmitteln (Alvedon scheint des Schweden Allheilmittel zu sein und wird im 100er Döschen verschrieben) abgefertigt. Vielleicht liegt es auch an der Mentalität und der Schwede geht früher zum Arzt. Wir gehen halt, wenn es erforderlich ist und nicht mehr geht. Falls man doch mal eine Überweisung zum Facharzt (im Klinikum) bekommt, entscheidet der nach Aktenlage, ob man zu ihm vorgelassen wird oder eben auch nicht.

- Wartezeiten: auf eine OP für ein Basazellkarzinom nahe am Auge wartest du mal eben 1,5 Jahre

- du gehst mit klaren Symptomen zum Arzt, wirst aber mehrfach zum Augenarzt geschickt, der nichts findet und kommst durch Zufall nach einem Besuch beim Onkologen an einen Termin beim Neurologen und erfährst, dass du vor 6 Monaten eine Sinusvenenthrombose hattest.

..... ich könnte das noch weiter fortführen.
Hälsningar

Wolfgang
Wernersvensk
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von Wernersvensk »

zur Zugänglichkeit .Uns hat man noch nie abgewimmelt und ich hatte immer das Gefühl genauso wie ein Schwede behandelt zu werden.
Bei einem Remiss dh wenn man zum Facharzt in die Klinik muß habe ich immer innerhalb von 3 Wochen einen Termin bekommen wenn es nicht Akut war,
Beim Augenarzt muß ich dir recht geben ,für eine graue Star Behandlung muß man schon rech intensiv und eventuell öfters nachhaken oder es für 30000 kr pro Auge privat machen lassen .
Mvh Werner
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von Wolfi »

Wernersvensk hat geschrieben: 6. April 2023 11:43 zur Zugänglichkeit .Uns hat man noch nie abgewimmelt und ich hatte immer das Gefühl genauso wie ein Schwede behandelt zu werden.
Bei einem Remiss dh wenn man zum Facharzt in die Klinik muß habe ich immer innerhalb von 3 Wochen einen Termin bekommen wenn es nicht Akut war,
Beim Augenarzt muß ich dir recht geben ,für eine graue Star Behandlung muß man schon rech intensiv und eventuell öfters nachhaken oder es für 30000 kr pro Auge privat machen lassen .
Mvh Werner
Uns ist durchaus bewusst, dass es regionale Unterschiede gibt. Aber unterm Strich für uns untragbar, so dass wir wohl dieses Jahr verkaufen und Schweden verlassen.
Hälsningar

Wolfgang
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von Wernersvensk »

Hej Wolfgang ,
wie ist das den in Deutschland? Nur ein privat Versicherter Patient ist ein guter Patient ?
Mvh Werner
Wolfi
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von Wolfi »

Wernersvensk hat geschrieben: 6. April 2023 14:30 Hej Wolfgang ,
wie ist das den in Deutschland? Nur ein privat Versicherter Patient ist ein guter Patient ?
Mvh Werner
Nach meinem Dafürhalten ist die gesetzliche Krankenversicherung in D der in Schweden immer noch weit überlegen. Natürlich gibt es auch hier regionale Unterschiede. Den Vergleich zur privaten Krankenversicherung haben wir, da meine Frau in der PKV versichert ist.

Z. B. entscheidet bei längerer Krankheit in Schweden nicht mehr der Arzt, ob Du wieder arbeitsfähig bist, sondern der medizinisch 'ahnungslose' Sachbearbeiter der Försäkringskassan. D. H. trotz Krankmeldung kann es sein, dass du kein Krankengeld mehr bekommst.
Hälsningar

Wolfgang
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von 33981 »

Wolfi hat geschrieben: 6. April 2023 14:48

Z. B. entscheidet bei längerer Krankheit in Schweden nicht mehr der Arzt, ob Du wieder arbeitsfähig bist, sondern der medizinisch 'ahnungslose' Sachbearbeiter der Försäkringskassan. D. H. trotz Krankmeldung kann es sein, dass du kein Krankengeld mehr bekommst.
die Sache mit der Krankschreibung bzw. der Arbeitsfähigkeit kann ich bestätigen. Die Entscheidung liegt beim Sachbearbeiter, der ärztliche Intyg hat nur hinweisenden Charakter und ist für den Sachbearbeiter nicht bindend. Und da es seit den 1976er Jahren keine Tjänstemannaansvar mehr gibt, kann man auch die bescheuertsten Arbeitsverweise nicht angreifen. Das sind Zustände, die es in einem so sozial weit entwickelten Land eigentlich nicht geben dürfte. Aber hier hat ein Sachbearbeiter mehr Macht als der Arzt.
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von annie »

Es ist zu diesem Thema eine ganze Menge geschrieben worden. Einem Teil stimme ich zu, einem Teil nicht. Jeder hat seine subjektiven Erfahrungen berichtet.
Aber es muss keiner hier einwandern und dauerhaft leben. Um ein Auslandsgefühl beim Arzt zu haben, reicht Hamburg-Harburg. Da kommt das auch mit den Wartezeiten zum Spezialisten hin.
Ein demontiertes Gesundheitssystem ist ein gesellschaftliches Problem. Uns geht es trotzdem noch gut in Westeuropa, trotz allem Gejammer und Geklage.
Wie gesagt, wem das schwedische Gesundheitssystem zu schlecht ist, muss sich halt ein besseres suchen.
Ich versuche hier das Beste daraus zu machen.

Andreas
Sabrina2023
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von Sabrina2023 »

Hej, unser (deutschstämmiger) Zahnarzt hier in Südschweden, einer der wenigen, niedergelassenen, freien Ärzte, bezeichnete neulich das hiesige Gesundheitsystem als "marxistisch/leninistisch", weil alles primär über die Vardcentral läuft, wo dann eine Schwester entscheidet, ob man überhaupt einen der wechselnden, gemieteten Ärze sieht. Auch hiesige schwedische Freunde gehen da nur ungern hin, es gibt eben nicht den Hausarzt, der seine Patienten kennt, wie wir es von DL gewohnt sind. Einen niedergelassenen praktischen Arzt haben wir in 50 km Umkreis noch nicht gefunden, aber in Großstädten soll es sie geben. Wenn ich die SVT Nyheter so lese, dann sind die Notaufnahmen in den Krankenhäusern oft unterbesetzt, sowohl von den Ärzten her als auch vom Platz, sodass man schonmal mit einem Topfdeckel in den Flur geschoben wird, damit man sich bemerkbar machen kann (ist NICHT meine Erfahrung, steht so in den SVT Nyheter). Ein Bekannter wurde nach 8 h Wartezeit, nachdem man sich ihn angesehen hatte, mit Schmerzmittel nach Hause geschickt...In einer anderen Notaufnahme wurde er später sofort behandelt, es kommt wohl auf das Krankenhaus an. Ich habe schon den Eindruck, dass wir in DL verwöhnt sind - wenn man in Schweden leben möchte, muss man eben bei der ärztlichen Versorgung einige Abstriche machen.
Schaut Euch auf jeden Fall gut an, ob Ihr wirklich im Krankenhaus oder in der Vardcentral arbeiten wollt!!
Herzliche Grüße, Sabrina
Wernersvensk
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von Wernersvensk »

Hej Sabrina,
wir haben hier eine sehr kompetente polnische private Zahnärztin, sie unterliegt natürlich preislich dem schwedischem Sozialsystem,
ich habe mir drei Brücken bei ihr machen lassen ,die deutsche Krankenkasse hat dazubezahlt und ich habe noch 1000€ gespar gegenüber D.
Im Nachbarort haben wir eine private Allgemeinmedizinerin ,die natürlich auch am schwedischen Sozialsystem hängt.Sie rechnet genauso ab wie die Vardzentrale, muß aber nicht jeden Patienten nehmen.
Mvh Werner
Sabrina2023
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von Sabrina2023 »

Hej Werner, ich habe Dir eine PN geschickt!
Mvh, Sabrina
Chrysler1
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von Chrysler1 »

Alles hat immer 2Seiten, wems nicht gefällt der kann ja gehen...wir sind ja alle so offen. :doppelwink:
Mal im ernst; wir waren im December in Växjö mit meiner Frau in der Klinik...Notfall....alles tiptop dort gelaufen,
wir müssen/können uns nicht beschwerren....und das ohne grossartig die Sprache zu beherrschen.
Wolfi
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von Wolfi »

Chrysler1 hat geschrieben: 16. April 2023 10:50 Alles hat immer 2Seiten, wems nicht gefällt der kann ja gehen...wir sind ja alle so offen. :doppelwink:
Mal im ernst; wir waren im December in Växjö mit meiner Frau in der Klinik...Notfall....alles tiptop dort gelaufen,
wir müssen/können uns nicht beschwerren....und das ohne grossartig die Sprache zu beherrschen.
So schaut's aus. Allerdings ging es hier um chronische Krankheit und nicht um Notfallversorgung.
Hälsningar

Wolfgang
Rehder
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von Rehder »

Der Sachbearbeiter der dich ablehnt bekommt eine Prämie zum Gehalt.Da hat man sich in den 1960 Jahren ein Beispiel an der Ehemaligen DDR genommen und das Gesundheitssystem Kopiert.Aber man muss ja nicht in Schweden einwandern, wenn man es nicht will.Es gibt in jedem Land irgendwas was einen nicht gefällt .Da muss man sehen was ein wichtig ist und was man will
33981
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von 33981 »

Chrysler1 hat geschrieben: 16. April 2023 10:50 Alles hat immer 2Seiten, wems nicht gefällt der kann ja gehen...wir sind ja alle so offen. :doppelwink:
Mal im ernst; wir waren im December in Växjö mit meiner Frau in der Klinik...Notfall....alles tiptop dort gelaufen,
wir müssen/können uns nicht beschwerren....und das ohne grossartig die Sprache zu beherrschen.
Es geht um die Versorgung bei chronischer Erkrankung. Dazu gehört dann z.b. die Nachsorge nach einer Akutbehandlung und deren langfristige Betreuung z.b. durch die Försäkringskassa oder die weitere Abklärung durch nachgelagerte Diagnostik. Da haperte es schon immer und seit der Pandemie wurde es nicht besser. Gerade das Centrallasaret in Växjö wird da von IVO besonders erwähnt. Akutversorgung wird ja gerade in Ljungby geschlossen und alles nach Växjö verlagert. Dann wirds dort auch enger. Leider.

https://www.svd.se/a/KnlekG/operationsk ... -operation
Rehder
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von Rehder »

Tja ,wenn man chronisch Krank ist, sollte man sich überlegen ob Schweden das richtige ist,es sei denn man ist Arzt oder arbeitet im Gesundheiswesen.Das Gesundheitssystem scheint echt besser in Deutschland zu sein.Es kommt auch auf die Krankheit an.
Wernersvensk
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von Wernersvensk »

Hej,
ich kann mich nicht beklagen,nach einer Prostata OP und einer Reha in Deutschland werde ich in der Region Värmlan hervoragend betreut,
nach dem der Krebs sich wieder gemeldet hat zweimaliger PSA Wert über 0,2 habe ich innerhalb von 14 Tagen eine 7 wöchige Strahlenbehandlung im Krankenhaus bekommen ,Montags bis Freitags Patientenhotel Übernachtung mit Vollverpflegung im Restaurant ( kein Krankenhausessen ) für 80 kr Selbstbeteiligung Montags und Freitags kostenlose Fahrt nach Hause mit Patientenbus und Taxi .Wo gibs den das in D.
Soviel zur Nachsorge bei chronischer Erkrankung.
Torpamaja
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von Torpamaja »

Hej alle zusammen,
muss mich jetzt auch einmischen. Kann nur sagen dass wir hier in D sehr verwöhnt sind was ärztliche Versorgung angeht!
Wir laufen alle zum Doc wegen jeder Scheiss ( Entschuldigung) hat sein müssen und werden dann auch behandelt,kostet die Kasse unnötiges Geld.
Was aber leider stimmt in S sind die lange Wartezeiten auf ein Termin. Oft läuft zuerst alles Digital oder telefonisch.
Die Versorgung in den Kliniken ist aber Top wobei es da auch sicherlich Unterschiede gibt .
Wer nicht zufrieden ist sollte bitteschön in D bleiben.
God natt

Margareta
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Grizzly2
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von Grizzly2 »

Zum 1.
Margareta hat Recht.
Zum 2.
Kleiner Tipp:
Wenn Ihr in S oder sonstwo ausserhalb von D seid, aber in D anruft um ein Rezept zu bekommen, zB weil Eure hausärztliche Praxis Euch das schon x-mal verschrieben hat, dann mach ja nicht den Fehler und verratet, dass Ihr in S oder sonstwo ausserhalb von D befindet. Dann darf Euch Euer Hausarzt/Hausärztin das nämlich nicht auf Krankenkasse verschreiben, meine Kollegin hat extra die KV (übergeordnete Sesselfurzer) angerufen und diesen Bescheid bekommen. Aber: Was Doc nicht weiss macht ihn nicht heiss.
Bitte nix verraten.
Wernersvensk
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von Wernersvensk »

Aber wer hier in Schweden ein Rezept bekommt wird schnell feststellen das die Medikamente billiger sind trotz Bezahlung .
mvh Werner
Skandinavienfreund
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Re: Mit chronischer Krankheit nach Schweden auswandern

Beitrag von Skandinavienfreund »

cap hat geschrieben: 2. April 2023 14:50 Dennoch planen wir perspektivisch unseren Lebensmittelpunkt nach Schweden zu verlegen, sehen allerdings nicht nur nach 'Goodbye Deutschland'-Manier ausschließlich die rosigen Seiten.


Ich habe eine chronische neurologische Erkrankung und benötige im Abstand von 4-6 Wochen ein Medikament, welches in der Regel durch (zumindest in Deutschland einen Fach-)Arzt verabreicht wird. Jetzt lesen wir eigentlich überall nur, dass man grundsätzlich mit langen Wartezeiten auf Termine und teilweise eher dürftiger Behandlung rechnen sollte, was einen als Chroniker zunächst erst einmal abschreckt.


Meine Frau und ich gehen als Apothekerin und Arzt nach Schweden und planen auch in unseren Berufen dort zu arbeiten.


Ich bin auf jeden Fall kein Patient, der das Gesundheitssystem überbeanspruchen will, aber ich wollte mich vorher absichern, dass meine routinierten Termine gesichert und ich im Notfall (sowie natürlich auch meine Familie) gut versorgt wären.


Falls Ihr noch irgendwelche genaueren Rückfragen habt, um meine Frage beantworten zu können, dann bin ich dafür jederzeit offen.
Hallo Doc Cap,

ich schreibe mal so zu deinem Themenopener.

Wie sieht es denn eigendlich mit der Planung aus? Gibt es shon weitere maßnahmen? Gut das ihr das gut plant, denn bei diesen "Goodbye Germany" shows, da ist auch nur sehr oberflächlich zusammengeschnittenes Zeug das eine gute Story daraus entsteht.

Das mit der medikamenten verabreichung finde ich nachvollziehbar. Es gibt medikamente die direkt reakionäre Nebenwirkungen haben können. Da du zwar ein med. bist gibt dir zwar die legitimation, allerdings ist es dann wohl doch sicherer den Fachkollegen in der Nähe zu haben. Nichts gegen deine Frau, aber Behandlungen im Familienkreis könnten eine unvorhergesehene Routineblockade (Emotionale Sperre) hervorrufen.
So wie ich das mitgekriegt habe sind lange Wartezeiten eher bei neupatienten und bestimmten Operationen. Deine Behandlung sehe ich als Planbare Terminvergaben, die am Anfang schwieriger werden könnte einen Arzt zu finden,ab dann aber problemloser.

Eure Berufe sind meines Wissens nach auch in Schweden gefragt. Also traurig für D und Glückwunsch an S euch gewinnen zu können.

Ich glaube auch nicht das es irgendwen gibt, der nur wegen einer beanspruchung des schwedischen Gesundheitssystems dahin auswandert, allerdings kann ich es total verstehen dass man auch seinen Traum leben will, mit oder ohne Krankheit.
Manche verschenken ja auch viel Lebenszeit und schieben und schieben und schieben, bis dann mal klar wird dass das Leben endlich ist. Ob bsp. durch eine Diagnose an einem selbst, oder Verluste von Mitmenschen.


In eurem Fall, habt ihr denn einen bestimmten Plan und für den schon Wurzeln? In unserer Region ist es zunehmend dass die älteren Generationen dichter an Infrastrukturell stärkere Gegenden ziehen. Da sind Krankenhäuser sehr weit oben im Ranking der prio.

Was ich mir vorstellen könnte ist, dass Personen die in systemrelevanten Berufen mit Besätzungsmängeln, eine "besondere" Behandlung genießen. Da sehe ich die Medizinischen und andere Notfallgruppen ganz oben.
Das ist aber nur eine Vermutung, die ich aber nachvollziehen und verstehen könnte.
Skandinavienfreund
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