Gemeinden in Schweden vernachlässigen ihre Behinderten
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Karsten
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Gemeinden in Schweden vernachlässigen ihre Behinderten
Unzählige Menschen mit Behinderung bekommen nicht die Hilfe und Pflege, die ihnen gesetzlich zusteht. Zu diesem Schluss kommt ein am Mittwoch veröffentlichter Bericht des Zentralamts für Gesundheits- und Sozialwesen. Erst kürzlich sorgte ein haarsträubender Fall der Vernachlässigung für Aufsehen: Ein Mann war 25 Jahre lang vom Pflegepersonal in seinem Rollstuhl festgebunden worden – Tag und Nacht. Nun deutet sich an, dass es in Schwedens Kommunen weit mehr grobe Mängel bei der Versorgung Behinderter gibt, als bisher bekannt.
"Es mangelt an Kompetenz auf allen Ebenen"
Inakzeptabel – darin sind sich der Oberdirektor des Zentralamts für Gesundheits- und Sozialwesen und der Chef der Pflegeabteilung beim Verband der Schwedischen Gemeinden und Provinzialverwaltungen einig. Schockiert zeigte sich Håkan Ceder, dessen Behörde für den jüngsten Bericht verantwortlich zeichnet, über die Verstöße des Gesetzes, das Hilfe und Service für Behinderte regelt.
„Wir kritisieren Mängel im zwischenmenschlichen Umgang und regelrechte Übergriffe und greifen drei Beispiele heraus. Besonders hervor sticht der Fall eines Mannes, dessen Hände jahrelang hinter dem Rücken zusammengebunden waren, weil das Personal befürchtete, er würde sich sonst selbst Schaden zufügen. Das Gesetz regelt die Rechte von Behinderten und soll ihnen ein gutes Leben zusichern mit Einfluss- und Teilnahme daran. Ziel ist es, so leben zu können wie alle anderen. So ein Beispiel wie eben genannt steht in krassem Kontrast zum Gesetzestext.“
Verbreitete Unkenntnis vom Sinn des Gesetzes
Das Amt für Gesundheits- und Sozialwesen kritisiert in seinem Bericht aber auch vergleichsweise geringere Vergehen der Gemeinden: Wohngemeinschaften sprengten oft den Rahmen von den zugelassenen fünf Mitbewohnern, und auch das Angebot von Freizeitaktivitäten und anderem stimulierenden Input für Menschen mit Behinderung falle nicht selten zu dürftig aus. Das Gesetz umfasst Menschen mit Entwicklungsstörungen wie Autismus, geistig Behinderte, die im Erwachsenenalter eine Gehirnschäden erlitten haben sowie Menschen mit anderer dauerhafter physischer oder psychischer Behinderung, die sich nicht auf den normalen Alterungsprozess zurückführen lässt.
Und obwohl der Gesetzestext also nichts unklar lässt – und dies seit immerhin 17 Jahren - hapert es dennoch an der Umsetzung. Håkan Ceder scheint selbst erstaunt, und sagte im Schwedischen Rundfunk: „Es gibt offenkundige Mängel im Verständnis davon, was überhaupt der Sinn dieses Gesetzes ist und welche Anforderungen an die Gemeinden es stellt. Das betrifft mehrere Ebenen, nicht zuletzt die Führungsetage. Mängel im zwischenmenschlichen Umgang und Übergriffe lassen sich nur auf unzureichende Kompetenz zurückführen.“
Diesem Vorwurf schließt sich Göran Stiernstedt vom Verband der Gemeinden und Provinzialverwaltungen nur zu gern an. Neben Kompetenz auf allen Ebenen spielt aber noch ein weiterer Aspekt eine wichtige Rolle: „Der gesamte Bereich hat sich innerhalb kürzester Zeit enorm vergrößert, das kann durchaus ein Teil der Problematik sein. Dann gibt es keine klaren Ziele, wie wir Qualität und vor allem ihre Einhaltung messen können. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass die Patienten und deren Angehörige mehr Mitspracherecht haben sollten.“
"Einstellungen kann man nicht im Handumdrehen ändern"
Nach 17 Jahren verschärften Regeln zum Schutz der Behinderten sieht die Wirklichkeit trübe aus. Offenbar hat es das in den verschiedenen Weiterbildungen für Führungskräfte angehäufte Wissen schwer, bis zu den Angestellten zu gelangen, die im tagtäglichen Nahkontakt mit den Pflegebedürftigen stehen. Auf die Frage, warum die positive Entwicklung bei den Gemeinden so lange auf sich warten lässt, hat der zuständige Chef Göran Stiernstedt keine schlüssige Antwort parat – und auch welche Rolle die stets klammen Kassen der Gemeinden bei der optimalen Ausführung ihres Pflegeauftrages spielen, bleibt unerwähnt.
„Gute Frage. Viele Dinge benötigen viel Zeit. Es geht auch um Kulturen und Einstellungen, die sich nicht im Handumdrehen ändern lassen. Aber es gilt, schneller zu werden, und dazu sind wir beim Verband der Gemeinden und Provinzialverwaltungen bereit.“
(Quelle: Radio Schweden)
"Es mangelt an Kompetenz auf allen Ebenen"
Inakzeptabel – darin sind sich der Oberdirektor des Zentralamts für Gesundheits- und Sozialwesen und der Chef der Pflegeabteilung beim Verband der Schwedischen Gemeinden und Provinzialverwaltungen einig. Schockiert zeigte sich Håkan Ceder, dessen Behörde für den jüngsten Bericht verantwortlich zeichnet, über die Verstöße des Gesetzes, das Hilfe und Service für Behinderte regelt.
„Wir kritisieren Mängel im zwischenmenschlichen Umgang und regelrechte Übergriffe und greifen drei Beispiele heraus. Besonders hervor sticht der Fall eines Mannes, dessen Hände jahrelang hinter dem Rücken zusammengebunden waren, weil das Personal befürchtete, er würde sich sonst selbst Schaden zufügen. Das Gesetz regelt die Rechte von Behinderten und soll ihnen ein gutes Leben zusichern mit Einfluss- und Teilnahme daran. Ziel ist es, so leben zu können wie alle anderen. So ein Beispiel wie eben genannt steht in krassem Kontrast zum Gesetzestext.“
Verbreitete Unkenntnis vom Sinn des Gesetzes
Das Amt für Gesundheits- und Sozialwesen kritisiert in seinem Bericht aber auch vergleichsweise geringere Vergehen der Gemeinden: Wohngemeinschaften sprengten oft den Rahmen von den zugelassenen fünf Mitbewohnern, und auch das Angebot von Freizeitaktivitäten und anderem stimulierenden Input für Menschen mit Behinderung falle nicht selten zu dürftig aus. Das Gesetz umfasst Menschen mit Entwicklungsstörungen wie Autismus, geistig Behinderte, die im Erwachsenenalter eine Gehirnschäden erlitten haben sowie Menschen mit anderer dauerhafter physischer oder psychischer Behinderung, die sich nicht auf den normalen Alterungsprozess zurückführen lässt.
Und obwohl der Gesetzestext also nichts unklar lässt – und dies seit immerhin 17 Jahren - hapert es dennoch an der Umsetzung. Håkan Ceder scheint selbst erstaunt, und sagte im Schwedischen Rundfunk: „Es gibt offenkundige Mängel im Verständnis davon, was überhaupt der Sinn dieses Gesetzes ist und welche Anforderungen an die Gemeinden es stellt. Das betrifft mehrere Ebenen, nicht zuletzt die Führungsetage. Mängel im zwischenmenschlichen Umgang und Übergriffe lassen sich nur auf unzureichende Kompetenz zurückführen.“
Diesem Vorwurf schließt sich Göran Stiernstedt vom Verband der Gemeinden und Provinzialverwaltungen nur zu gern an. Neben Kompetenz auf allen Ebenen spielt aber noch ein weiterer Aspekt eine wichtige Rolle: „Der gesamte Bereich hat sich innerhalb kürzester Zeit enorm vergrößert, das kann durchaus ein Teil der Problematik sein. Dann gibt es keine klaren Ziele, wie wir Qualität und vor allem ihre Einhaltung messen können. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass die Patienten und deren Angehörige mehr Mitspracherecht haben sollten.“
"Einstellungen kann man nicht im Handumdrehen ändern"
Nach 17 Jahren verschärften Regeln zum Schutz der Behinderten sieht die Wirklichkeit trübe aus. Offenbar hat es das in den verschiedenen Weiterbildungen für Führungskräfte angehäufte Wissen schwer, bis zu den Angestellten zu gelangen, die im tagtäglichen Nahkontakt mit den Pflegebedürftigen stehen. Auf die Frage, warum die positive Entwicklung bei den Gemeinden so lange auf sich warten lässt, hat der zuständige Chef Göran Stiernstedt keine schlüssige Antwort parat – und auch welche Rolle die stets klammen Kassen der Gemeinden bei der optimalen Ausführung ihres Pflegeauftrages spielen, bleibt unerwähnt.
„Gute Frage. Viele Dinge benötigen viel Zeit. Es geht auch um Kulturen und Einstellungen, die sich nicht im Handumdrehen ändern lassen. Aber es gilt, schneller zu werden, und dazu sind wir beim Verband der Gemeinden und Provinzialverwaltungen bereit.“
(Quelle: Radio Schweden)
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brummbaer
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Re: Gemeinden in Schweden vernachlässigen ihre Behinderten
hej karsten,
diesen artikel, bzw die leute kann ich nicht verstehen.
giebt es zu diesen erwachsenen und kinderbehinderten keine eltern???????
werden die behinderten von den schweden einfach abgeschoben?????????????
ich kann das nicht glauben,wir haben eine behinderte tochter und sie kommt mit nach schweden, aber meinst du wir lassen sie allein????
da wird von unserer seite als eltern hinterfragt, was dort gemacht wird und was die behinderten dort machen.!!
und das wird nicht nur alle 2 jahre hinterfragt schliesslich lieben wir unsere tochter, und haben verantwortung fuer sie, ich kann das hier nicht verstehen
diesen artikel, bzw die leute kann ich nicht verstehen.
giebt es zu diesen erwachsenen und kinderbehinderten keine eltern???????
werden die behinderten von den schweden einfach abgeschoben?????????????
ich kann das nicht glauben,wir haben eine behinderte tochter und sie kommt mit nach schweden, aber meinst du wir lassen sie allein????
da wird von unserer seite als eltern hinterfragt, was dort gemacht wird und was die behinderten dort machen.!!
und das wird nicht nur alle 2 jahre hinterfragt schliesslich lieben wir unsere tochter, und haben verantwortung fuer sie, ich kann das hier nicht verstehen
Zitat: Wer an die Quelle will, muss auch mal gegen den strom schwimmen.
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goteborgcity
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Re: Gemeinden in Schweden vernachlässigen ihre Behinderten
Eines der Hauptprobleme ist, dass keine der bisherigen Regierungen Gelder für die Ausbildung, Weiterbildung und auch Eingliederung von Behinderten zur Verfügung stellte, sondern immer nur ein neues Amt einrichtete oder ein Amt dafür verantwortlich machte. Es gibt weder eine sinnvolle Überprüfung der Einrichtungen, noch eine klare Leitlinie. Es gibt daher hunderte von Organisationen, die in iregendeiner Weise mit oder für Behinderte arbeiten, aber es gibt keine Koordination.
Natürlich gibt es gute Beispiele, aber die müssen Eltern oder Behinderte (hängt natürlich von der Behinderung ab) selbst suchen. Es gibt, nur ein Beispiel, eine sehr aktive Behindertenarbeit in Malmö, wo Behinderte eine Radiosendung machen, wo ein Theater besteht, in dem nur Behinderte arbeiten usw. Es gibt sehr gute Beispiele, aber leider trifft man meist auf Ämter, die pauschalisieren und Behinderte nur als Hilfskräfte sehen, ohne zu bedenken, dass Behinderung ja nicht heisst "blöd" zu sein oder nur monotone Arbeiten leisten zu können. Irgendwie hat sich hier noch nicht herumgesprochen, dass jeder Behinderte eine eigene Persönlichkeit mit eigenen Wünschen und individuellen Ansprüchen ist und jeder zu anderen Leistungen fähig ist.
Ich nenne hier jetzt ein vielleicht einfaches Beispiel. Voriges Jahr bekam ein Österreicher einen Aufenthalt im Dalheimer Hus in Göteborg finanziert, inklusive Flug. Allerdings wurde ihm sein elektrischer Rollstuhl nicht auf dem Flug genehmigt. Man sollte denken, dass dies kein Problem ist, da man ja wohl ein entsprechendes Modell in einem Haus für Behinderte finden würde oder, alternativ, eine Person da wäre, die Behinderten bei der Fortbewegung hilft oder irgendwo ein elektrischer Rollstuhl zu mieten sei. Tatsache ist, dass ich im ganzen Västra Götaland, auch nicht in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Botschaft, den notwenigen Rollstuhl auftreiben konnte und ein Helfer natürlich weder von Österreich noch von Schweden geboten wurde. Aber wen interessiert dies? Keinen Politiker, sondern nur den Behinderten.
Natürlich gibt es gute Beispiele, aber die müssen Eltern oder Behinderte (hängt natürlich von der Behinderung ab) selbst suchen. Es gibt, nur ein Beispiel, eine sehr aktive Behindertenarbeit in Malmö, wo Behinderte eine Radiosendung machen, wo ein Theater besteht, in dem nur Behinderte arbeiten usw. Es gibt sehr gute Beispiele, aber leider trifft man meist auf Ämter, die pauschalisieren und Behinderte nur als Hilfskräfte sehen, ohne zu bedenken, dass Behinderung ja nicht heisst "blöd" zu sein oder nur monotone Arbeiten leisten zu können. Irgendwie hat sich hier noch nicht herumgesprochen, dass jeder Behinderte eine eigene Persönlichkeit mit eigenen Wünschen und individuellen Ansprüchen ist und jeder zu anderen Leistungen fähig ist.
Ich nenne hier jetzt ein vielleicht einfaches Beispiel. Voriges Jahr bekam ein Österreicher einen Aufenthalt im Dalheimer Hus in Göteborg finanziert, inklusive Flug. Allerdings wurde ihm sein elektrischer Rollstuhl nicht auf dem Flug genehmigt. Man sollte denken, dass dies kein Problem ist, da man ja wohl ein entsprechendes Modell in einem Haus für Behinderte finden würde oder, alternativ, eine Person da wäre, die Behinderten bei der Fortbewegung hilft oder irgendwo ein elektrischer Rollstuhl zu mieten sei. Tatsache ist, dass ich im ganzen Västra Götaland, auch nicht in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Botschaft, den notwenigen Rollstuhl auftreiben konnte und ein Helfer natürlich weder von Österreich noch von Schweden geboten wurde. Aber wen interessiert dies? Keinen Politiker, sondern nur den Behinderten.
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vorstopper
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Re: Gemeinden in Schweden vernachlässigen ihre Behinderten
Hallo brummbaerbrummbaer hat geschrieben: giebt es zu diesen erwachsenen und kinderbehinderten keine eltern???????
werden die behinderten von den schweden einfach abgeschoben?????????????
Was ist wenn die Behinderten keine Angehörige mehr haben ?
oder wenn die Eltern zu alt werden um die Kinder "begleiten" zu können?
Es gibt Fälle, wo die Eltern defintiv keine "Kraft" mehr haben,, die sind dann froh das die Behinderten erwachsenen Kinder hauptsache irgendwo runterkommen,,
Deswegen finde ich solche kritische Untersuchungen Lobenswert.
- Lukä
- Beiträge: 1229
- Registriert: 10. April 2009 18:04
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Re: Gemeinden in Schweden vernachlässigen ihre Behinderten
Es geht wohl mit der Einstellung los, und die scheint in Deutschland um einiges besser zu sein. Sieht mensch schon daran, dass bei uns von "Menschen mit Behinderungen" gesprochen wird.
Hälsningar Luki
"Mit Hand, Herz und Verstand"
"Mit Hand, Herz und Verstand"
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goteborgcity
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Re: Gemeinden in Schweden vernachlässigen ihre Behinderten
@Lukä
Bei der Wortwahl "Behinderte" muss ich ergänzen, dass ich dieses Wort mit Wörterbuch aus dem Schwedischen übersetzt habe und ich den allgemeinen Sprachgebrauch des Wortes im Deutschen nicht kenne. Auch in Schweden spricht man nicht von "handikappad", was vermutlich die wörtliche Übersetzung von Behindertem wäre, sondern von "personer med funktionsnedsättning", was "Menschen mit Behinderungen" wohl näher kommt.
Ich kann auch das schwedische und das deutsche System nicht vergleichen, da ich in Deutschland nur einmal zu einer medialen Präsentation eines Wohnheims für "Menschen mit Behinderungen" in der Nähe von Frankfurt eingeladen war, wo man mir, bzw. allen Teilnehmern, nur ein Musterbeispiel zeigte, da ein Minister mit anwesend war. Dieses Heim war, zumindest auf den ersten Blick, ideal, da Werkstätten, Bibliothek, Garten .... und alles, was man sich wünschen kann, vorhanden war, aber das Gebäude war so isoliert, dass ich das Gefühl bekam, dass man die Bewohner von den "Normalmenschen" fern halten wollte. Dann denke ich an Prozesse, die Deutsche führten, weil "Menschen mit Behinderungen" sie im Urlaubshotel störten usw. Für mich spricht das eigentlich nicht von bessserer Akzeptanz in Deutschland, aber, wie gesagt, ich kenne die Situation in Deutschland kaum.
Was ich hier in Schweden kritisiere, ist vor allem der Mangel an staatlichen Geldern, die für konkrete Massnahmen eingesetzt werden, dass statt dessen Arbeitsamt und Vårdcentral, sowie private Unternehmen, sich für Behindertenfragen einsetzen sollen, die oft gar kein geeignetes Personal haben. Im Frühlingsbudget der schwedischen Regierung taucht der Begriff "Behindertenmassnahmen" gar nicht erst auf, weil sich private Unternehmen gewinnträchtig darum kümmern sollen, und eben Freiwilligenorganisationen.
Wenn sich Eltern für ihre behinderten Kinder einsetzen, so gibt es fast immer eine Möglichkeit hier in Schweden und selbst wenn man auf einen guten Sachbearbeiter trifft, so sieht es gut aus, aber mangelnde Koordination und unqualifizierte Kräfte sind eben eine Katastrophe, was sich insbesonderen bei behinderten Kindern von Einwanderer- und Asylantenfamilien zeigt. Ich kann hier jedoch auch viele positive Beispiele in der Behindertenarbeit nennen, aber alle beruhen auf privater Initiative und Ünterstützung durch die Eltern, die nicht nach dem ersten idiotischen Sachbearbeiter aufgegeben haben.
Bei der Wortwahl "Behinderte" muss ich ergänzen, dass ich dieses Wort mit Wörterbuch aus dem Schwedischen übersetzt habe und ich den allgemeinen Sprachgebrauch des Wortes im Deutschen nicht kenne. Auch in Schweden spricht man nicht von "handikappad", was vermutlich die wörtliche Übersetzung von Behindertem wäre, sondern von "personer med funktionsnedsättning", was "Menschen mit Behinderungen" wohl näher kommt.
Ich kann auch das schwedische und das deutsche System nicht vergleichen, da ich in Deutschland nur einmal zu einer medialen Präsentation eines Wohnheims für "Menschen mit Behinderungen" in der Nähe von Frankfurt eingeladen war, wo man mir, bzw. allen Teilnehmern, nur ein Musterbeispiel zeigte, da ein Minister mit anwesend war. Dieses Heim war, zumindest auf den ersten Blick, ideal, da Werkstätten, Bibliothek, Garten .... und alles, was man sich wünschen kann, vorhanden war, aber das Gebäude war so isoliert, dass ich das Gefühl bekam, dass man die Bewohner von den "Normalmenschen" fern halten wollte. Dann denke ich an Prozesse, die Deutsche führten, weil "Menschen mit Behinderungen" sie im Urlaubshotel störten usw. Für mich spricht das eigentlich nicht von bessserer Akzeptanz in Deutschland, aber, wie gesagt, ich kenne die Situation in Deutschland kaum.
Was ich hier in Schweden kritisiere, ist vor allem der Mangel an staatlichen Geldern, die für konkrete Massnahmen eingesetzt werden, dass statt dessen Arbeitsamt und Vårdcentral, sowie private Unternehmen, sich für Behindertenfragen einsetzen sollen, die oft gar kein geeignetes Personal haben. Im Frühlingsbudget der schwedischen Regierung taucht der Begriff "Behindertenmassnahmen" gar nicht erst auf, weil sich private Unternehmen gewinnträchtig darum kümmern sollen, und eben Freiwilligenorganisationen.
Wenn sich Eltern für ihre behinderten Kinder einsetzen, so gibt es fast immer eine Möglichkeit hier in Schweden und selbst wenn man auf einen guten Sachbearbeiter trifft, so sieht es gut aus, aber mangelnde Koordination und unqualifizierte Kräfte sind eben eine Katastrophe, was sich insbesonderen bei behinderten Kindern von Einwanderer- und Asylantenfamilien zeigt. Ich kann hier jedoch auch viele positive Beispiele in der Behindertenarbeit nennen, aber alle beruhen auf privater Initiative und Ünterstützung durch die Eltern, die nicht nach dem ersten idiotischen Sachbearbeiter aufgegeben haben.
Der Teilnehmer goteborgcity wurde vom Moderator des Forums ausgeschlossen und wird daher keine weiteren Beiträge mehr erstellen und
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kann nicht mehr über eine PN erreicht werden.
Re: Gemeinden in Schweden vernachlässigen ihre Behinderten
Erst mal ganz schön erschreckend wenn man das so liest "Gemeinden in Schweden vernachlässigen ihre Behinderten"
Ich habe immer angenommen Schweden wäre sehr sozial und verantwortungsbewußt mit seinen Menschen, nun lese ich soetwas.
Das Haut einen vom Hocker. In Deutschland gibt es Tagesstäten wo Behinderte Menschen hingehen können, um sich mit anderen auszutauschen.
Dann gibt es Werkstätten wo Behinderte Menschen arbeiten können, je nach ihrem Krankheitsbild.
Gibt es denn soetwas in Schweden auch?
Ich habe immer angenommen Schweden wäre sehr sozial und verantwortungsbewußt mit seinen Menschen, nun lese ich soetwas.
Das Haut einen vom Hocker. In Deutschland gibt es Tagesstäten wo Behinderte Menschen hingehen können, um sich mit anderen auszutauschen.
Dann gibt es Werkstätten wo Behinderte Menschen arbeiten können, je nach ihrem Krankheitsbild.
Gibt es denn soetwas in Schweden auch?
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