Natur-Tourismus in Schweden leidet an Bescheidenheit

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Karsten
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Natur-Tourismus in Schweden leidet an Bescheidenheit

Beitrag von Karsten »

Der schwedische Naturtourismus bleibt weit hinter seinem Potenzial zurück. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Östersund. Demnach wollen die meisten Unternehmer der Branche vor allem einen Lebensstil verwirklichen. Das Interesse am Geldverdienen spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Wer den Natur- oder Öko-Tourismus zu seinem Beruf macht, verwirklicht in erster Linie sich selbst. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung unter 176 Unternehmen landesweit, die sich in einer oder anderer Weise mit dieser Form des Tourismus beschäftigen. Anstatt die Natur für touristische Zwecke optimal auszunutzen, wie sonst vielfach in der Branche üblich, setzen diese Unternehmen auf ein anderes Naturverständnis und auch Erleben. Doch was für die Natur gut ist, wirkt sich rein finanziell eher negativ aus.

Wie die Studie zeigt, treibt die Unternehmer das eigene Interesse für Jagd, Fischen, Segeln oder Reiten eher an als die Aussicht darauf, mit ihrem Interesse auch Geld zu verdienen, erklärt Professor Peter Fredman, der die Studie geleitet hat.

„Die Befragten geben als Hauptgrund an, dass sie ihr Hobby zur Profession machen können, dass sie selbst gern an der frischen Luft sind. Auf das Wachstum der Branche kann diese Motivation durchaus einen dämpfenden Effekt haben.“

Ideale und Individualismus gehen vor

Håkan Gyllbring aus Luleå gehört zu denen, die sich aus lauter Idealismus in die Naturtourismusbranche begeben haben.

„Wir hatten so eine Art Öko-Tourismus-Traum, dass man sich sozusagen auf einen Moos bewachsenen Stein setzt, die Natur genießt und daran als Mensch wächst, aber das hat nicht funktioniert. Das Produkt, das irgendetwas hieß wie ‚Von der Kochstelle zur Auerhahnfalle’, wollte keiner kaufen.“

Professor Fredman zufolge täten die Unternehmer der Branche gut daran, ihren Individualismus abzulegen und stattdessen verstärkt auf Zusammenarbeit zu setzen. Damit ließe sich die Entwicklung in eine andere Richtung lenken, und die Branche könne weit erfolgreicher werden. Kanada, Neuseeland und Schottland seien gute Beispiele dafür, so der Forscher. Fredman plant bereits die nächste Studie. Sie soll 1.800 Unternehmen innerhalb des Naturtourismus umfassen und klären helfen, wie sich die Branche weiterentwickeln kann.

(Quelle: Radio Schweden)
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knut245
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Re: Natur-Tourismus in Schweden leidet an Bescheidenheit

Beitrag von knut245 »

...vielleicht haben diese Unternehmer ja auch nur erkannt, dass sich heile Natur und zielstrebiges Wachstum nicht unbedingt vertragen. Ich glaube, diese Leute sind nicht rückständig, wie es im Bericht durchklingt, sondern der Branche ein gutes Stück voraus.
insa
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Re: Natur-Tourismus in Schweden leidet an Bescheidenheit

Beitrag von insa »

man darf sich freuen,dass die schon auf den gedanken gekommen sind :pfeif:

(ironisch gemeint)
goteborgcity
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Re: Natur-Tourismus in Schweden leidet an Bescheidenheit

Beitrag von goteborgcity »

Ich arbeite seit Jahren auch in der Tourismusbranche und bedauere es ungemein, dass sehr viele kleinere Firmen, die Naturtourismus anbieten, daran glauben, dass sie es allein schaffen können statt ihr Angebot auf eine grössere Kundenschicht auszudehnen und auf eine grössere Struktur zuzückgreifen. Eine grössere Struktur heisst ja nicht auf sein individuelles Angebot verzichten zu müssen, ganz im Gegenteil, denn es bedeutet, dass man mehr Kunden finden kann, die alle das gleiche Naturgefühl teilen. Während ein Winzunternehmen mit ideeler Struktur weder grossartig Werbung bezahlen kann, noch den Unterhalt einer professionellen Website, noch an Messen teilnehmen kann, könnten sie bei einer sinnvollen Zusammenarbeit gut von ihrem Traum und Idealismus leben.

Ich habe, zum Beispiel, jedes Jahr viele Interessenten, die sich für Fahrradtouren, Wandern und Kanufahren interessieren, und muss diese Leute zu Grossunternehmen schicken oder verkaufe ihnen ein anderes Projekt, weil nur die grösseren Unternehmen es verstanden haben, dass sie mir bei einer vollen Vermittlung zwischen 10% und 15% bezahlen müssen, ich aber dafür die gesamte Werbung, den Schriftverkehr, den Zahlungsverkehr und anderes übernehme. Bei 90% dieser Kunden weiss ich, dass sie bei kleinen Unternehmen mit ideellen Gedanken besser aufgehoben wären, aber da die Mehrheit unter ihnen eigene Wege gehen will, gibt es dabei nur Verlierer und oft eine scheiternde Idee. Idealismus ist eine sehr wertvolle Eigenschaft, aber ohne kaufmännisches Denken und Zusammenarbeit macht man nur sich selbst eine Freude, ohne je das gewünschte Ziel zu erreichen. Wer in der Natur führen will braucht hinter sich eine Struktur, die den Schreibtisch, die Werbung und den Rest organisiert.
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TochterderStille
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Re: Natur-Tourismus in Schweden leidet an Bescheidenheit

Beitrag von TochterderStille »

Ich glaube vielen dieser Individualisten geht es keinesfalls um touristisches Wachstum oder ähnliches.
Wie gesagt, es sind oft Idealisten, die ein ganz anderes Lebensgefühl haben als der Normalmensch. Sie wollen eigenes Glück leben, ihnen geht es nicht ums Geldverdienen.
Ich weiss wovon ich rede, habe selbst ein solches Exemplar zuhause und bin sehr stolz darauf!
Es geht nicht darum, Geld zu verdienen oder viele Kunden auf möglichst vielen Touren zu führen.
Es nur in ganz kleinem Teil ums eigene Überleben. Nur dafür werden Kunden geführt - was auch dem Idealisten Spass macht (sonst hätte er mit dem Tourismus einfach die Branche oder den Beruf verfehlt). Aber das machen diese wirklich nur in dem Umfang wie es zum Überleben notwendig ist.
Sie wollen nicht zu grossen Unternehmen anwachsen, die jeden Tag Unmengen an Touristen durch die Natur führen. Sie wollen keinen wachsenden Natur-Tourismus. Denn dabei ginge da Lebensgefühl dieser Menschen, der Spass an den Touren und das Gefühl der Natur bei den Wanderungen verloren.
Am liebsten geht der Individualist allein oder mit einem Freund oder Partner in die Natur, geniesst diese in seiner ganz eigenen Art - und ohne fremde Menschen, und ohne naturhungrige Touris.
Ausserdem finde ich persönlich das sehr schön, dass es kein Massentourismus ist, keine Unmengen an Touris durch die Wälder Schwedens geführt werden. Es würde der Natur, den Pflanzen und Tieren nur schaden. Der Reiz der schwedischen Natur besteht ja darin, dass es (besonders im Norden) wenige Menschen in der Natur gibt, und mehr ursprüngliche Natur und Tiere.
goteborgcity
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Re: Natur-Tourismus in Schweden leidet an Bescheidenheit

Beitrag von goteborgcity »

@TochterderStille

Ich bin auch nicht dafür, dass die persönliche Freude oder der Individualismus beim Naturtourismus auf der Strecke bleiben soll. Es gibt sehr viele Touren, die nie für den Massentourismus gedacht sind und diesen auch nicht anziehen, aber auch derjenige, der mit seinem Unternehmen vor allem sein eigenes Glück sucht, braucht ein Einkommen, muss Steuern bezahlen, kann krank werden usw. Und gerade deshalb wäre es sinnvoll für Individualisten auch auf ein Minimum von Garantie zu setzen. Es geht dabei gar nicht um Massentourismus, denn es ist schlichtweg unmöglich hunderte von Deutsche zu finden, die alle in der gleichen Region Kanuwandern wollen, per Pferd durch die Natur ziehen wollen oder eine Fahrradtour machen. Schon deshalb bleibt Individualtourismus etwas für einen kleinen Kreis, egal, wer dafür Werbung macht. Der Unterschied ist eben nur, dass ein Individualunternehmer, der mit einer touristischen Struktur arbeitet, einige Touren mehr unternehmen kann, sich mehr um das kümmern kann, was ihn wirklich interessiert und gleichzeitig ein etwas sichereres Einkommen hat. Es ist völlig falsch zu denken, dass kleinere, individuelle Angebote die Masse interessieren. Wenn ein seriöser Reiseunternehmer etwas anbietet, so ist sein Ziel den Kunden zufrieden aus dem Urlaub zurückzubringen und nicht ihm etwas zu verkaufen, was im Grunde nicht für ihn gedacht ist. Du kannst jemandem, der jeden Sonntag eine kleine Radtour macht, nicht dazu verleiten, dass er täglich 130 Kilometer in hügeliger Landschaft machen soll.

Wenn ich heute Kanureisen vermittle, Segelkurse anbiete und ähnliches, so stütze ich mich auf Unternehmen, die etabliert sind und auch ohne das Zusatzeinkommen auskämen, zumal es sich dabei jeweils nur zwischen 3 und 10 Personen gleichzeitig handelt, also niemandem einen gigantischen Gewinn bringt. Aber ich weiss, dass sich manche der Teilnehmer bei den grösseren Unternehmen nicht wohl fühlen, weil sie dort unpersönlich behandelt werden. Und gleichzeitig verlieren die Individualisten einige Kunden, da sie nun eben einfach nicht gefunden werden. Es geht daher letztendlich nicht darum Individualtourismus zu Massentourismus zu machen, sondern ihm die Chance zu geben langfristig zu überleben. Warum wollen Individualisten darauf warten, dass Kommerzialismus sie eines Tages überflüssig macht statt rechtzeitig auch ein Auge auf die eigene Zukunft zu richten?

Ich sehe das nicht nur als jemand, der Tourismus in Schweden vermarktet, sondern auch aus eigener Erfahrung, denn ich war eine Zeit lang Bergführer mit genau der Einstellung, dass individuelle, persönliche Reisen etwas Besonderes sein müssen. Die Vorbereitungen waren immens, der Stundenlohn eigentlich unbedeutend und die Suche nach Kunden im Verhältnis zum Ergebnis viel zu aufwendig, aber es machte Spass. Als langfristiges Projekt war es jedoch zu vergessen, weil dieses System bedeutet, dass man auch die nächsten 20 Jahre keinen Schritt weiterkommt und irgendwann entdeckt, dass nur das Leben vorbei ging und man älter wurde.
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hokno
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Re: Natur-Tourismus in Schweden leidet an Bescheidenheit

Beitrag von hokno »

Nun, manchmal versauen die Gesetzte der Betriebswirtschaft einfach alles. Und wenn man es das Ziel verfolgt „Das Hobby zum Beruf zu machen“ bleibt meistens etwas auf der Strecke.

In der Suchmaschine mal Kanu und Schweden eingeben. Was findet man? Klasse ein deutsches Unternehmen das die Leute für Minipreise im Gross Reisebus zur „individual- Kanutour nach Schweden karrt“. Diese Busse sind früher nach dem Abi nach Lorete de Mar gefahren, heute geht’s nach Schweden. Die Ankunft von so einem Viehfrachter habe ich selber mal erlebt. Zum kotzen. Plötzlich sind da 20 silberne Kanus im Wasser. Für uns war das hart, für den schwedischen lokalen Kanu Verleiher mit welchem wir Wochen vorher die Tour ausgesucht und gebucht haben, war es zum heulen da existenzgefährdend. Kleine Anbieter könne überleben sind glücklich und zufrieden... bis zu dem Zeitpunkt wo jemand daher kommt und das „Potential“ ausschöpft.

Unternehmerisches Gedankengut muss und darf nicht überall eine Rolle spielen.

Ist wie in der Kampfkunst um ein weiteres Beispiel zu nennen. Talentierte, charismatische Top Leute machen ihr eigenes Dojo auf. Diese müssen jetzt ihren Kredit abbezahlen. Zu was kann dies führen? Das sie irgendwelchen undisziplinierten Bewegungs- Legasthenikern Graduierungen verleihen, nur damit diese schön regelmäßig auftauchen und ihre Monatsbeiträge abdrücken.

In manchen Dingen darf man das Potenzial einfach nicht ausschöpfen, zumindest wenn dies im unternehmerischen Sinne gemeint ist. Es kann einer Sache nämlich beträchtlichen Schaden zufügen.

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goteborgcity
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Re: Natur-Tourismus in Schweden leidet an Bescheidenheit

Beitrag von goteborgcity »

@hokno

Die Grossvermarktung ist immer ein Problem, aber jemand, der Individualreisen anbietet, kann ja selbst wählen, ob er sich mit jemanden zusammenschliesst, der Massentourismus oder Individualtourismus fördert und kann auch die entsprechenden Verträge schliessen. Es wird immer Giganten der Reisebranche geben, die einfach zugreifen und denen es egal ist, ob sie nach Lloret, Athen oder nach Dalarna fahren, so lange die Kasse stimmt.

Aber ich finde es einfach idiotisch, dass auch jemand, der weitaus besser mit Individualreiseveranstaltern arbeiten könnte, denn es gibt viele Schwedenreisende, die nicht die Masse suchen, dann mit Grossunternehmen arbeiten müssen oder, wie ich es bereits machte, eine Tour einfach selbst organisiere und leite, statt ein gemeinsames Ziel zu verfolgen, das einem Kleinstunternehmen hilft und zufriedene Kunden schafft. Wenn ich eine Anfrage von sechs bis acht Leuten habe, die eine Kajaktour in den Schären machen wollen, dann ist das sicher kein Massentourismus, den sie suchen, sondern es handelt sich um einige Freunde, die gemeinsam und in kleiner Gruppe die Schären entdecken wollen. Das sind Kunden für Individualreisen, die in der gegenwärtigen Situation eben Grossunternehmen akzeptieren müssen und Giganten noch grösser machen und mehr bereichern statt kleinen Unternehmen eine Lebensgrundlage zu bieten.

Ich persönlich habe einen wahrer Horror davon, dass Gruppen von 30 bis 40 Leuten zum Abenteuertourismus aufbrechen, die im Grunde nichts in der schwedischen Natur zu suchen haben und die auch nur ein Pseudo-Abenteuer wollen, denn es darf nicht zu kalt und nicht zu nass werden, jede kleinste Anstrengung ist verboten, das Essen muss nach Mass sein und hinterher bleibt Abfall und eine zerstörte Natur zurück. Für mich ist das aber nicht nur die Schuld der Grossunternehmer, sondern auch der Mangel an Bereitschaft von Individualunternhmern mit anderen zusammenzuarbeiten. In diesem Fall gibt es auf der ganzen Linie nur Verlierer, ausser den Grossunternehmen.

Grüsse aus Göteborg

Herbert
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knut245
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Re: Natur-Tourismus in Schweden leidet an Bescheidenheit

Beitrag von knut245 »

Ich hatte den Originalbeitrag eigentlich so verstanden, dass diese Kleinanbieter sich wenig Mühe geben, von Touristen gefunden zu werden. Aber Du als a) Profi und b) Ortsansässiger müsstest doch leichter auf diese Veranstalter zugreifen können, zumal sie genau das anbieten, was Du vermittelst: individuelle Touren für Kleingruppen. Hast Du keine Datei von geeigneten Anbietern, denen Du immer wieder mal Kunden anbieten kannst? Dann hätten sie doch schon mal eine kleine Grundlage und Du wärst nicht auf die anonymen Großveranstalter angewiesen.
goteborgcity
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Re: Natur-Tourismus in Schweden leidet an Bescheidenheit

Beitrag von goteborgcity »

@knut245

ich habe eine noch sehr bescheidene Datei begonnen und bin auch mit einigen in Kontakt, aber da viele mit ihrer Website auf Seite 2011 in Google liegen und ich einfach nicht die Zeit habe wochenlange Arbeit in die Suche zu stecken, ist das eine sehr langwierige Angelegenheit. Manche glauben auch, dass ich damit das grosse Geld machen will, obwohl sie wissen müssten, dass man mit Individualtourismus nicht gerade Millionär wird. Die Gruppen sind klein, der Aufwand manchmal hoch, aber es ist der dankbarste Tourismus, weil nahezu alle bei der persönlichen Behandlung zufrieden nach Hause fahren. Bei einer Gruppe mit 50 ist das weitaus schwieriger, weil hier verschiedenste Interessen aufeinanderprallen und man als Führer ständig Zwischenlösungen finden muss, selbst was das Essen und Laufen angeht.

Hinzu kommen natürlich jene, die im Moment alles schwarz anbieten und nicht offiziell auftreten wollen. In diesem Fall kann ich gar nichts machen, denn wenn ich jemanden vermittle, der nicht eingetragen ist, bringt das auch mir Probleme. Und dass jemand nicht gemeldet ist, liegt oft auch an falschen Informationen und Vorurteilen, denn auch in Schweden gibt es Freibeträge, kann man Kostten absetzen usw.

Am einfachsten zu finden und am "zugänglichsten" sind eigentlich alle, die sich irgendeinem Netzwerk angeschlossen haben oder in Kurse für Firmenführung, Buchhaltung und ähnliches gingen (da hier die unterschiedlichsten Organisationen sich gegenseitig helfen und den Teilnehmern Tips geben), aber das sind dann natürlich meist Kleinunternehmer und Kleinstunternehmer, die auch wissen, dass man irgendwie auch andere braucht, wenn man überleben will.

Ich glaube auch, dass viele einfach denken, dass man seine ideellen Ziele aufgibt, wenn man mit anderen zusammenarbeitet. Aber leider gehen mit dieser Einstellung sehr viele sehr schnell pleite, egal ob es Schweden oder Einwanderer sind.
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goteborgcity
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Re: Natur-Tourismus in Schweden leidet an Bescheidenheit

Beitrag von goteborgcity »

@Argus

Ich versteh jetzt nicht so ganz, warum Du Individualtourismus einem Banaltourismus und gefüllten Bussen gegenüberstellst. Wenn ich einen vollen Bus habe (was oft genug im Jahr geschicht), so ist für mich die Sache klar: So wenig Natur wie möglich und so wenig Individualismus wie möglich. Es gibt genügend Pseudoabenteuer mit dem so eine Gruppe zufrieden ist und schon aus Sicherheitsgründen werde ich dann keine Kajaktour im Meer und keine Wanderung von acht Stunden anbieten, denn eine persönliche Betreuung und eine Gemütlichkeit hört bei maximal zehn Personen auf, und das ist die oberste Grenze!

Ich weiss nicht wie gut das Geschäft mit Dirk läuft, wie gut er davon leben kann und ob er in der Lage sein wird mit seinen Ersparnissen eine lange Krankheit zu überwinden, wieviel er einmal an Pension bekommt usw. aber das ist etwas, was er selbst wissen und entscheiden muss.

Ich sehe das Problem eher von Deiner Seite, dass Du nämlich, weil Leute wie Dirk schlecht zu finden sind, eben keine brauchbaren Angebote finden könnene und dann allein suchen müssen. Was meinst Du, wie oft ich von ein oder zwei Personen eine Anfrage finde, die eben mit Hund etwas suchen, eine individuelle Tour machen wollen und vom Massentourismus fliehen wollen, weil sie nicht den durchgeplanten Massentourismus suchen. Ich muss diese Leute enttäuschen, weil eben Individualunternehmen keine Zusammenarbeit suchen und ich keine Zeit und kein Geld darin investiere einen Kleinunternehmer davon überzeugen zu müssen, dass ich zwei Personen habe, die für sie in Frage kommen. Sie verlieren eben diese Kunden und ich kann ihnen nicht das bieten, was sie suchen, sondern muss sie an Massenunternehmen verweisen. Ich denke, dass dies die unsinnigste Lösung ist, die man sich denken kann.

Mir ist völlig klar, dass die Mehrheit der Reiseunternehmer nicht den Kunden mit seinen individuellen Wünschen im Auge hat, sondern nur auf möglichst viel Geld aus ist. Das ist nun einmal unsere Gesellschaft. Aber es gibt auch einige andere Unternehmen. Hier in Schweden haben Kleinunternehmer die Vorteile einer ausgewählten Zusammenarbeit leider nicht entdeckt und sind damit Individualunternehmern in Italien und Spanien weit hinterher, denn in den Abruzzen ist es zehnmal leichter mit jemandem, der überhaupt nur sechs Leute unterbringen kann und diesen etwas bietet, zu finden als hier in Schweden, und das, obwohl Schweden weitaus mehr zu bieten hat als andere Länder.

Grüsse aus Göteborg

Herbert
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Re: Natur-Tourismus in Schweden leidet an Bescheidenheit

Beitrag von goteborgcity »

Hej strumpa,

die Natur als solches findet man sicher von alleine, aber ich weiss natürlich nicht, ob man so ganz allein und ohne Führer mit dem Kajak die Schönheit der Schären entdecken kann, lernt essbare Pilze von giftigen zu unterscheiden, Heilpflanzen findet, die man auch praktisch anwenden kann, die schönsten Stellen in einem Berggebiet findet, mit einem Hundeschlitten den Winter Lapplands entdeckt und vieles andere mehr. Vieles in der Natur kann man besser entdecken, wenn man mit einigen wenigen Gleichgesinnten und einem sachkundigen Führer unterwegs ist. Wer nur die Natur geniessen will und entspannen, der sucht ohnehin keinen Führer und kein Naturangebot.

Vermarkten ist vielleicht nicht das richtige Wort, obwohl mir kein anderes einfällt, aber für micht heisst vermarkten nicht, dass man daran eine Menge Geld verdienen muss, sondern nur, dass jemand jemandem ein Angebot macht, das dessen Horizont erweitert, ihm neue Gedankenwege oder besonders schöne Stellen zeigt. Bei solchen Angeboten wird trotz "Vermarktung" niemand reich. Ich denke nicht, dass Du tauchen, windsurfen oder segeln willst ohne eine Ausbildung zu haben, aber bei allen drei Sportarten, die alle keine Masse anziehen, kannst Du eine neue Welt entdecken.

Viele Grüsse aus Göteborg

Herbert
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