Schweden schrecken immer mehr vor natürlicher Kost zurück

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Karsten
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Schweden schrecken immer mehr vor natürlicher Kost zurück

Beitrag von Karsten »

Immer mehr Schweden entdecken ökologisch angebaute Lebensmittel für sich. Die Nachfrage nach Fleisch vom Biobauern in der Nähe steigt und sogar Sauerteigbrot ist im Land der Riesentoasts auf dem Vormarsch. Gleichzeitig werden auch die Hygienevorschriften der Behörden immer strenger, so dass Großküchen in Altersheimen und Kindergärten oftmals bewusst auf Fertigkost umstellen.

Die Schweden verlieren den Kontakt zu natürlichen Lebensmitteln. Einer der Hauptvertreter dieser These ist Mats-Eric Nilsson. Auch in seinem jüngst erschienenen dritten Buch prangert der Journalist wieder Missstände in der Lebensmittelindustrie an. In seinen früheren Büchern ging es um Lebensmittel und deren Zubreitung in Restaurants sowie die unzähligen künstlich hergestellten Zusätze, die in den Waren lauern.

Diesmal geht es um die Fleischproduzenten, die durch grenzenlose Massentierhaltung in Europa zur Verbreitung multiresitenter Bakterien beitragen. So gelangen die Medikamente, mit denen die Tiere behandelt werden, durch den Billigfleischkonsum zum Menschen und natürlich auch ins Grundwasser. Gleichzeitig sind beispielsweise Kindergärten gehalten, zur Eindämmung von Bakterien auf peinliche Sauberkeit in den Küchen zu achten. Konkret bedeutet dies, dass Kinder und viele unzubereitete Lebensmittel aus der Küche verbannt werden. Grotesk, findet Journalist und Autor Nilsson.

„Die Küche im Kindergarten ist mittlerweile zur Gefahrenzone erklärt, wo sich nur die Köchin aufhalten darf. Früher durften die Kinder noch mithelfen, heute heißt es „Zutritt strengstens verboten". Inzwischen gibt es also eine regelrechte Angst vor traditioneller Essenszubereitung. Die Folge ist zum einen schlechteres Essen. Zum anderen bekommen die Kinder heute ein völlig falsches Bild vermittelt, wenn sie nie Kontakt mit Essen und dessen Zubereitung haben dürfen und es stattdessen immer mehr Fertigessen gibt, das längst nicht die angemessene Menge an Rohwaren enthält."

Übertriebene Regeln?

Betroffen sind längst nicht nur die Kindergärten. Auch in den Altersheimen gehört Essen auf Rädern zur Tagesordnung, und in etlichen Schulen ist die Küche ganz offiziell in „Annahme-Küche" umgetauft. Fertiges oder fast fertiges Essen wird dort nur noch in Empfang genommen und anschließend verteilt - dies ist nicht nur kostengünstig für die Kommunen, sondern passt sich auch den Hygieneregeln an, kritisiert Autor Nilsson im Schwedischen Rundfunk.

„Natürlich sind Regeln notwendig, fragt sich nur, wie weit das gehen soll. Je kleiner die Produktion, umso geringer ist für gewöhnlich das Risiko. Das Beste sind grundsätzlich frisch zubereite Rohwaren, die man direkt nach dem Kochen verspeist, und nicht Essen, das wer weiß wie lange durch die Gegend gefahren und warm gehalten wird."

Positive Gegenbeispiele

In manchen Kommunen lässt sich allerdings auch schon ein anderer Trend beobachten, meint Mats-Eric Nilsson. Grund sind die gestiegenen Ansprüche der Konsumenten, wenn auch längst nicht aller. Nilssons Bücher sorgten stets für einigen Aufruhr, mit der Folge, dass Bewegung in die Hersteller kommt.

„Im Fahrwasser der Debatte über Zusatzstoffe in Lebensmitteln haben viele große wie kleine Hersteller Geschmacksverstärker, Verdickungsmittel und Konservierungsstoffe aus den Waren genommen. Viele Kommunen kehren inzwischen auch wieder zurück zu Küchen, in denen das Essen für Kinder, Kranke und Alte vor Ort zubereitet wird. Es gibt also durchaus auch positive Beispiele."

Allerdings setzt eine Trendwende im größeren Stil auch voraus, dass die Betroffenen selber - oder zumindest deren Eltern oder Verwandte - besseres Essen fordern. Die neueste Statistik aus der Imbiss-Welt gibt da keinen Anlass zur Hoffnung: Wie die Nachrichtenagentur TT berichtet, konnte die schwedische Schnellrestaurantkette Sibylla ihren Umsatz mehrere Monate in Folge steigern, im Juli erneut um acht Prozent. Grund: ein neuer Hamburger.

(Quelle: Radio Schweden)
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filainu
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Registriert: 14. Dezember 2008 16:04

Re: Schweden schrecken immer mehr vor natürlicher Kost zurüc

Beitrag von filainu »

also irgendwie paßt der erste Satz aber doch nicht zum rest, oder? :gruebel:
Dudi
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Registriert: 20. Januar 2008 17:23
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Re: Schweden schrecken immer mehr vor natürlicher Kost zurüc

Beitrag von Dudi »

@filainu: genau das hab ich mir auch gedacht
Karsten hat geschrieben:Inzwischen gibt es also eine regelrechte Angst vor traditioneller Essenszubereitung. Die Folge ist zum einen schlechteres Essen. Zum anderen bekommen die Kinder heute ein völlig falsches Bild vermittelt, wenn sie nie Kontakt mit Essen und dessen Zubereitung haben dürfen und es stattdessen immer mehr Fertigessen gibt, das längst nicht die angemessene Menge an Rohwaren enthält."
Der ganze Artikel hört sich für mich etwas nach Panikmache an. Bei uns an der Grundschule haben die Schüler das Fach "hemkunskap" und dort lernen sie backen und kochen.
filainu
Beiträge: 532
Registriert: 14. Dezember 2008 16:04

Re: Schweden schrecken immer mehr vor natürlicher Kost zurüc

Beitrag von filainu »

und mal ehrlich, bei uns sehen die kinder doch auch nicht wie das schul- oder kindergartenessen gekocht wird :pfeif:
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