Aus finanziellen und organisatorischen Gründen buchten wir die Tour bei dem brandenburgischen Unternehmen „Scandtrack“, das einigen vielleicht ein Begriff ist.
Der finanzielle Grund war, dass man für rund 350 Euro inklusive Anreise und jeglicher Ausrüstung kaum günstiger in die schwedische Natur kommt. Und Urlaube, die dem studentischen Geldbeutel schmeicheln, sind dann extra verlockend. Das mündet auch gleich in den organisatorischen Vorteil: es ist einfach alles dabei. Die gestellte Ausrüstung geht vom Kanu über Zelte, Planen, kompletter Verpflegung zu allem nötigen, was man in der Natur so braucht. Lediglich Schlafsäcke und Isomatten waren mitzubringen.
Von dem Gesichtspunkt aus hätte man es sich das kaum besser wünschen können. Dass man die gestellte Verpflegung nicht selbst zusammenstellen kann, ist nur ein geringes Manko. Es wurde eigentlich an alles gedacht.
Eigentlich will ich gar nicht weiter über Scandtrack schreiben, es ist aber noch anzumerken, dass die Kehrseite der Medaille die ist, dass man aus Effizienzgründen in einem Reisebus mit 50 Menschen an dem Camp ankommt. Dass man die ersten zwei Tage einen der eingerichteten Rastplätze für sich hat, darf bezweifelt werden. Da muss man sich entscheiden, ob man hinter seinen ursprünglichen Plänen die Paddelroute betreffend zurückbleibt oder ein paar Sonderschichten auf Kiel einlegt.
Wir gingen einen interessanten Zwischenweg.
Am ersten Tag, dem Ankunftstag nahmen wir unsere Ausrüstung und einige Hinweise der Mannschaft entgegen und beluden unsere Kanus.
Wie das am Anfang immer so ist, fühlt man sich in so einem Kanadier mit viel mehr oder weniger wichtiger Ladung alles andere als sicher und die Wetterverhältnisse machten mit mittlerem Seegang und Regenaussichten dieses Unterfangen nicht einfacher. So entschlossen wir uns, nachdem wir notgedrungen mit längsseitigem Kurs zu den Wellen das Ufer abfuhren, die angedachte Tagesetappe stark zu verkürzen und machten an einer kleineren Insel fest, auf der anscheinend schon ein Mal ein Lager aufgeschlagen worden war. Wir zogen die Planen auf, um das bevorstehende Unwetter über uns ergehen zu lassen und fanden auch drei vernünftige Stellplätze für die Zelte. Die Stimmung war nicht die Beste und der Abend verging ereignislos.
Der nächste Morgen begann vielversprechend mit Sonne und leichtem Wind. Wir haben das erste Mal das recht klare Seewasser geschöpft (schmeckt meiner Ansicht nach besser als das Leitungswasser in Berlin…) und zur Durchquerung des Sees angesetzt. Den Övre Gla kenne ich noch aus einer vorherigen Fahrt in diesem Revier und auch an den wundervollen Rastplatz Nummer 26 am Südufer konnte ich mich erinnern. Wie es nicht anders zu erwarten war, kamen wir nach 2 - 3 Stunden intensivsten Paddelns gegen Wind und Wellen an diesem Rastplatz an und fanden ihn belegt vor. Wir stimmten ab, ob wir den Abend in Gesellschaft verbringen oder uns noch ein eigenes Plätzchen suchen sollten. Nun sind wir nicht nach Schweden gefahren, um Deutschlands Outdoorszene kennenzulernen, also konnte es nur eine richtige Antwort geben.
Wir beschlossen, in den Stora Gla überzusetzen, was mit einer größeren Portage einherging.
Den Weg dorthin fanden wir nicht auf Anhieb und haben deshalb unfreiwillig noch ein paar Ententeiche in der Umgebung erkundet.
Endlich an der Portage angekommen, sahen wir uns extremen Steigungen gegenüber, was aber mit Teamwork zu bewerkstelligen war. Ich glaube, das war alles absichtlich so angelegt, des Gemeinschaftsgefühls wegen
Wir setzten die Fahrt also auf dem Stora Gla fort, im Visier das erste Camp (Nummer 7) am Westufer. Das war, wie sollte es anders sein, bereits von einer zwar netten, aber dafür umfangreichen Jugendgruppe besetzt. Die Stimmung begann langsam zu kippen. Wir machten uns auf die zweite Nacht auf einer wilden Insel gefasst und baten in weiser Voraussicht um Feuerholz, welches uns die Jugendlichen auch bereitwillig bis an die Boote brachten.
Deren Reiseleiter empfahl uns eine Insel, Svältan, weiter nördlich. Es musste einige Überzeugungsarbeit geleistet werden, die letzte Überfahrt noch auf uns zu nehmen und so konnten wir schließlich das erste Mal mit Rückenwind in See stechen. Auf der Insel angekommen, fanden sich auch wieder Vormieterspuren. Mit dem ruhigen Gewissen, die Natur durch kleine ausgetrampelte Pfade zu schonen, konnten wir an der windgeschützten Ostseite eine Feuerstelle finden und geeignete Bäume für einen fast professionellen Windschutz. Wenigstens hielt das Wetter auch die Mücken fern. Das war unsere längste Etappe, wir waren 8 Stunden unterwegs.
Am dritten Tag, nach ausgedehntem Müslifrühstück, konnten wir wieder aufbrechen. Aufgrund der Verzögerung am ersten Tag entschieden wir uns, die Route zu verkürzen.
So sollte unser Wendepunkt nicht mehr Dammarna, sondern der Rastplatz 8 sein, der mit einem Verschlag ausgestattet ist.
Diesen fanden wir auch prompt und gottlob verlassen vor. Nach dem bescheidenen Wetter und den provisorischen Camps stieg die Laune allmählich wieder. Da lernt man so ein Toilettenhäuschen doch zu schätzen! Uns gefiel es so sehr dort, dass wir uns entschlossen, einen Ruhetag einzulegen, also zwei Nächte zu verweilen. Der umliegende Archipel lud zu Entdeckungstouren zu Fuß und zu Paddel ein. Die herrschende Stille war unglaublich. Sich in Ufernähe im Boot zurückgelehnt treiben zu lassen, mit dem Gefühl, große dämpfende Kopfhörer aufzuhaben und nur das Plätschern der kleinen Wellen gegen den Rumpf zu spüren, das war der Grund, warum ich da war, was die ganze Vorfreude ausgelöst und aufrecht erhalten hat. Die Sonne machte sich selbst ein Kompliment auf die späten Sommertage und ließ ein bezauberndes Gefühl bei uns allen zurück.
Mit blendender Laune konnten wir am nächsten Tag aufbrechen. Wir waren auf dem Rückweg, hatten die Fahrt und die Portage zurück in den Övre Gla vor uns. Wir hofften, heute Glück mit dem Rastplatz 26 zu haben. Mittlerweile routiniert luden wir die Boote aus und hievten sie auf die Umtragewägen. Ich bin mir nicht sicher, ob es einfacher gewesen ist, die Steigungen bergauf oder bergab zu bewältigen. Zurück im Övre Gla war die Nummer 26 zwar besetzt, aber nur von einer Person. So beschlossen wir, den Abend an dieser meiner Meinung nach schönsten Schutzhütte zu verbringen.
Die letzten beiden Abende „in Freiheit“ verbrachten wir an dem Nachbarsee Gladåkern. Die Schutzhütte 23 liegt zwar direkt an einem rauschenden Wehr, das hörte man aber bald nicht mehr. Nach sorgfältiger Auslotung der Wassertiefe wagten wir die einen oder anderen Klippensprünge und konnten auch den restlichen Tag mit Müßiggang verbringen. Da diese Raststelle in direkter Nähe zum Basiscamp lag, konnten wir uns erlauben, auch noch den nächsten Tag komplett hier zu verbringen, obwohl wir am Abreisetag bereits um 9 Uhr zurück sein sollten. Der letzte Tag bot auch wieder wunderbarstes Wetter und viel Zeit zum Lesen, Paddeln und Karten spielen.
Die Abreise, per Bus und zwei Fähren, wurde anscheinend in Rekordzeit bewerkstelligt, jedenfalls wurden unsere Mägen auf der schwedischen Landstraße auf eine harte Probe gestellt.
Abschließend bleibt zu sagen, dass es zwar bequem war, mit Scandtrack zu verreisen, aber der Menschenauflauf und die fehlende Vorfreude, die man sich beim Selbstplanen aufbaut, haben das Erlebnis geschmälert.
Die nächste Tour planen wir selbst!
Ein paar Impressionen:

Am letzten Tag war davon nicht mehr viel übrig. Je schneller man es aufisst, desto leichter wird auch die Verpflegungstonne



















