Jürgen(S) hat geschrieben:
1= durchgangsverkehr in Stockholm gibt es alternative Wege (nicht inGBG)
2= Ausnahmen soll es in GBG nicht geben
Diese Argumente sind im Grunde nur eines. Es gibt nämlich nur deshalb einen alternativen Weg, weil es eine Ausnahme gibt. Hätte man den Essingeleden, der durch das gebührenpflichtige Gebiet führt, nicht ausgenommen, dann gäbe es auch keinen alternativen Weg. Das Mautgebiet zu umfahren wäre dann nur über Vaxholm (50 km Umweg, davon zwei Autofähren) oder über Enköping (100 km Umweg) möglich.
Essingeleden ist auch ein Paradebeispiel dafür, wie die Planung in Stockholm daneben ging. Man hätte das eigentlich nicht ausnehmen dürfen, denn ausgerechnet dort ist das Verkehrsproblem Stockholms am schlimmsten - Stau jeden morgen trotz teilweise vierspurigen Ausbaus.
Insofern sehe ich das mit den Ausnahmen sehr zwiespältig. Wenn man sowas einführt, dann sollte man die Ausnahmen auf einem absoluten Minimum halten, weil sonst die ganze Maßnahme nichts bringt.
3= in beiden Fällen soll damit nicht nur weniger Verkehr ins Centrum kommen -aber auch Projekte finanzieren(deshalb die Frage was war das nettoeinkommen in Stockholm)
Als Verkehrsregelungsmaßnahme halte ich die Trängselskatt zumindest teilweise für gescheitert. 20 kr tun einem Großstadtschweden wirklich nicht weh. Wer Geld hat, die Parkgebühren in der Innenstadt zu blechen, den schreckt das nicht. Dementsprechend müsste man die Gebühren regelmäßig erhöhen. Stattdessen sind sie seit 2007 gleich geblieben und halten kaum noch jemanden davon ab, in den Bezahlbereich zu fahren.
Ein Freund aus Täby (norr um Stockholm ) besuchte mich -sein kommentar ,ja wer nicht bezahlt (im Schnitt 10kr perFahrt ) bekommt einen Brief ,mit bezahlungsanweisung ( normal 14Tage) ,also 10 kr -porto 6,kr bleibt über für übrige unkosten 4 kr ,was also nicht mal was überlässt für "übrige betriebskosten" .
Die Rechnung hat einige Schwächen.
10 kr im Schnitt geht schon alleine nicht, weil der Minimalpreis 10 kr ist. 6 kr Porto stimmt so auch nicht, weil solche Großkunden bestimmt keine 6 kr für einen Brief bezahlen wie ein Normalsterblicher. Zudem werden die Rechnungen monatsweise ausgestellt, so dass in der Regel mehr als eine Fahrt zusammen kommt. Ich denke also, es kommt schon etwas mehr raus.
Aber selbst wenn die effektiven Kosten bei unter 50% der Rechnungssumme liegen, wird man hier in Stockholm damit nie die 4,7 Milliarden wieder reinholen. Als laufendes Projekt ist das ganze also ein interessantes Lenkungsinstrument, aber bei solchen Vorkosten ist eine Amortisierung kaum zu erreichen.
Ein weiteres Projekt in Göteborg könnte sich aber durchaus selbst finanzieren. Immerhin ist die Technik vorhanden und in Stockholm kommt man mit 18 Bezahlstationen aus. Man könnt es auch so sehen, dass sich die Technik nie lohnen wird, wenn sie nur auf einen halb missglückten Versuc in Stockholm beschränkt bleibt.
der springende Punkt war wohl das die Regierung vorschlug -wenn die Komunen in der Region dies durchführen gibt es Staatzuschüsse für die "Bauprojekte in der Region" =Eisenbahn und Strassenverkehr....
Dieses Geld müsste aber schon vorhanden sein durch alle Steuereinnahmen die der Strassenverkehr generiert
[...]
allein mein VW (Multivan) kostet ca 800 Euro /Jahr =Fordonsskatt -dann bin ich aber noch keinen Km gefahren.
[/quote]
Das ist jetzt eine steuerphilosophische Frage. Steuern sind meines Wissens nicht zweckgebunden, d.h. deine Fordonsskatt finanziert auch andere gesellschaftliche Ausgaben. Wenn das Geld anderweitig eben nicht vorhanden ist, dann bleiben eigentlich nur 4 Möglichkeiten:
1. Schulden machen
2. Andere Dinge kürzen - da ist aber die Frage, woran man kürzen kann und will
3. Allgemein die Steuern für alle erhöhen, d.h. auch die Leute in Norrland für Tunnels in Stockholm bezahlen lassen
4. Zweckgebundene Finanzierungsmodelle wie eben die Trängselskatt
Man kann in allen Richtungen ins Extrem gehen. In Holland plant man beispielsweise eine Maut für sämtliche Straßen, will dafür aber die Kfz-Steuer fallen lassen.
Ich selbst lebe auf einer Insel, von der er es nur eine Brücke herunter gibt. Diese ist ein Nadelöhr mit täglichem Stau in der Rush Hour. Eine schon geplante Entlastungsbrücke neben der bestehenden würde nach aktuellem Stand erst in 15 Jahren im Haushalt sein. Da die Kommunen auf der Insel zu den am schnellsten wachsenden der Region gehören, ist diese Wartezeit fatal.
Daher steht der Vorschlag im Raum, die neue Brücke mit einer Maut pro Durchfahrt zu belegen und sie dafür einige Jahre früher zu bauen. Die Aufbaukosten dafür wären wohl minimal, nehme ich an. Ich bin sehr dafür, dass dies gemacht wird, um das Stauproblem zu beenden, Kapazitäten rechtzeitig zu schaffen und den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen. Groteskerweise ist ausgerechnet meine Kommune dagegen, obwohl sie die einzige ist, die komplett auf dieser Insel liegt.