Das ist ja lustig! Ich bin von Berlin-Spandau nach Schweden "geflohen"
Die Frage nach dem "warum Schweden" ist eine sehr gute.
Für mich waren es immer die Berichte über das Land im Fernsehen, die Kinderfilme und Erzählungen von Bekannten, die mich neugierig machten. Bereits bei meinem ersten Kurzbesuch von paar Tagen in Schweden 2005 wurde ich richtig traurig als es zurück nach Deutschland ging. Ich wollte nicht. 2007 war ich dann mit meinem Freund in Schweden auf einen längeren Urlaub und da stand dann der Beschluss ganz schnell fest dorthin auszuwandern.
Wir hatten uns beide nicht mehr mit Deutschland identifizieren können, da wir bereits einmal die Heimat verloren hatten, nach der wir uns sehnten. Das war der eigentliche Grund, wie ich nun im Nachhinein herausfand, warum ich Deutschland den Rücken kehrte. Es ging uns gut in Deutschland, kein Zweifel, aber wenn das Land nicht zur Heimat wird, dann muss man ziehen, geht unter oder wird verrückt.
Ich muss sagen, dass ich hier in Schweden in einer sehr guten Ecke gelandet bin und hoffe auch, hier bleiben zu können. Ich habe unglaublich viele tolle Menschen kennengelernt, die einen wertschätzen, was ich (gerade in Berlin) vermisste. Sie gaben mir so viel Positives, so dass ich hoffe, dass ich dies halten werde und weitergeben kann. Ich merke hin und wieder selbst, wie sehr mich Deutschland bereits zerfressen hatte, aber gebe mir doch die Mühe, mir die schwedische Natürlichkeit abzuschauen. Das ist eigentlich das Meiste, was ich so an den Schweden mag. Ohne Hintergedanken, mit kindlicher Neugier und starker positiver Wertschätzung einen Menschen zu sehen. Auch das positive Erlebnis: "Ja, ich kann eine Sprache lernen" gab mir viele Möglichkeiten, die mir so in Deutschland verborgen geblieben wären. Ich dachte immer, dass ich "kein" Sprachgenie bin. Inzwischen weiss, dass man es nicht sein muss, sondern es nur auf das Erlebte ankommt, wie man eine Sprache vermittelt bekommt. Der Sfi-Unterricht war das Tollste, was ich überhaupt erleben durfte. Ich liebe es, schwedisch zu sprechen (habe auch kein deutsches TV) und lerne beinah jeden Tag ein neues Wort oder Ausdruck kennen. (Btw. die Schweden können auch sehr gut um- und beschreiben, sich blumig oder direkt ausdrücken. Was dieses Gefühl evtl. hervorrufen könnte ist, dass sie viele Wörter der Doppelbedeutung haben, was wir so in Deutschland nicht kennen. Das fühlt sich zunächst sehr befremdlich an und ich suche oft nach meinen "unnötigen" Fühlwörtern, die ich gerne anwende, wenn ich deutsch spreche. Umgekehrt kann es nur wieder positiv sein, sich nicht zu sehr zu verschachteln.

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Natürlich ist nicht alles positiv und Schweden verändert sich auch wie sein soziales Miteinander. Das merkt man selbst in der kurzen Zeit (nach 1 1/2 Jahren), die man hier bisher lebte. Die Einstellung hatte ich gleich zu Beginn: jedes Land hat seine positive und negative Seite. Den Alltag gibt es ebenso überall. Aber ich schätze es sehr, dass Themen angesprochen und diskutiert werden, die in Deutschland ganz schnell wieder untergehen und dort nicht der Rede wert sind. Was viele Deutsche bemängeln ist das Gesundheitssystem, wo ich nur mit den Schultern zucken kann. Es ist weder in Deutschland oder in Schweden besser oder schlechter. Geschichten, die ich hier höre, kenne ich auch umgekehrt dort oder von dort nach hier.
Es ist eigentlich ganz allein die eigene Lebensgeschichte und die damit verbundenen eigenen persönlichen Erfahrungen, die ein Land entweder lebenswert macht oder nicht. Ich weiss noch nicht, ob ich auch in Zukunft darüber nachdenken werde, zurückzukehren oder nicht, aber vieles hängt wirklich davon ab, wie man sich selbst fühlt und diesem Gefühl sollte man folgen.
Für mich fühlt es sich falsch an, nach Deutschland zu reisen. Ich bin glücklich, wenn ich wieder zurück in Schweden bin. So sieht es für mich in diesem Augenblick aus.
Solltet ihr also zurückkehren, dann wünsche ich euch alles Gute dabei

Zu Hause ist man ja doch dort, wo man sich am Wohlsten fühlt - und das kann und darf überall auf der Welt sein.
