Vorbereitung auf den Ernstfall - Und wenn das Öl versiegt?

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Karsten
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Vorbereitung auf den Ernstfall - Und wenn das Öl versiegt?

Beitrag von Karsten »

Der Krieg um die endliche Ressource Erdöl ist ein Szenario, das Experten ebenso beschäftigt wie die Teilnehmer von Liverollenspielen. Aber diese Form des Zusammenbruchs ist nur eine von vielen denkbaren, betont Alf Hornborg, Professor für Humanökologie an der Universität Lund.

„Ein Zusammenbruch bedeutet, dass ein komplexes und geografisch verbreitetes Gesellschaftssystem relativ schnell in kleinere, selbständige Teile zerbricht“, definiert Alf Hornborg den Kollaps einer Zivilisation.

Hornborgs Wissenschaftsdisziplin beschäftigt sich damit, wie Menschen und Gesellschaften mit der Umwelt zusammenleben. Nach seiner Ansicht trifft ein Zusammenbruch ein, wenn die Gesellschaft einzig und allein auf eine Art von Infrastruktur aufgebaut ist. Eine Infrastruktur, die plötzlich nicht mehr anwendbar ist.

Ölkrieg

Ein Beispiel ist die Abhängigkeit unserer Transporte vom Erdöl. Die Experten streiten darüber, wann das Ende des billigen Erdöls kommen wird. In 100 Jahren, in 15 Jahren - oder ist bereits erreicht?

„Wenn das Öl knapper wird, müssen wir uns schnell und drastisch umstellen und die Transportarten unmittelbar ändern. Wir müssen neue Energiequellen finden“, sagt Daniel Berg. Er bereitet an der Universität Stockholm seine Dissertation in Wirtschaftsgeschichte vor und bedauert: „Zurzeit sieht es nicht so aus, als würde diese Umstellung in Angriff genommen. Das heißt, wir müssen uns in Zukunft um die Energiereserven schlagen. Das bedeutet Ölkrieg. Mit größeren geopolitischen Spannungen und Kämpfen um Lebensmittel und Erdöl ist zu rechnen. Die Energieversorgung wird immer stärker Anlass zur Nervosität geben.“

Sind plötzliche Katastrophen oder langsame, schleichende Bedrohungen leichter zu bewältigen? Die Praxis zeigt, dass wir uns bei plötzlichen Krisen relativ rasch umstellen und den Betroffenen so gut wie möglich helfen. Bei einem langsamen Verlauf hingegen, wenn wir eigentlich die Möglichkeit, hätten uns minuziös vorzubereiten, stecken wir den Kopf in den Sand, bis die Krise akut ist.

Liverollenspiele

Mit einigen wenigen Ausnahmen. Einige Menschen in Schweden stellen sich bereits jetzt auf den Zusammenbruch mit Ölkrieg und sozialen Unruhen ein:

„Die meisten schlafen auf Decken. Niemand trägt noch heile und saubere Kleidung. Alle haben ihre Sachen geflickt und benutzen das Benzin, das sie finden oder aus fremden Autos absaugen.“ Varga Nyman beschreibt ein Liverollenspiel. Sie interessiert sich schon lange stark für diese Art von Rollenspielen, bei denen die Spieler ihre Spielfiguren auch körperlich selbst gestalten.

In den so genannten postapokalyptischen Rollspielen treffen sich die Teilnehmer in abgelegenen Gegenden und simulieren eine zusammengebrochene Welt.

„Hauptsächlich ist das ein Spiel, aber da es möglicherweise passieren kann, hat es auch einen ernsten Unterton. Jetzt zum Beispiel wohnen wir als großes Kollektiv in einem Klinkerhaus. An den Wänden wachsen mehrere Schichten Moos. Es regnet durch. Und alles ist klamm und kalt, obgleich draußen die Sonne scheint. Wir versuchen, so viel wie möglich selbst drinnen anzubauen, damit wir noch mal von vorn anfangen können“, so Varga Nyman.

In Schweden kamen Liverollenspiele in den Achtzigern auf. Die Zahl der Teilnehmer wechselt stark. Wie viele Menschen sich mit dieser Art von Katastrophenvorbereitung beschäftigen, ist schwer zu sagen. Aber abgesehen von dieser spielerischen Variante, weisen die meisten Menschen den möglichen Kollaps weit von sich, meint Alf Hornborg:

„Ich glaube, unser größtes Problem liegt darin, dass wir die Möglichkeit eines Zusammenbruchs nicht wahrhaben wollen. Genauso wenig, wie wir an einem sonnigen Sommertag daran denken wollen, dass unser Leben endlich ist, wollen wir daran denken, dass unsere ausgezeichnet funktionierende schwedische Gesellschaft eines Tages auch untergehen kann. Wir glauben, dass die Technik alle Probleme lösen wird, die sie geschaffen hat.“

(Quelle: Radio Schweden)
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Petergillarsverige
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Re: Vorbereitung auf den Ernstfall - Und wenn das Öl versieg

Beitrag von Petergillarsverige »

Dass nicht getan wird ist schlichtweg falsch. Viele arbeiten massiv an Alternativen, auch in Schweden:
http://www.vatgas.se/
Wir haben mit vielen Milliarden eine Erdölwirtschaft aufgebaut. In den nächsten Jahren werden wir eine Wasserstoffwirtschaft aufbauen. Ich arbeite auch dran. www.wbzu.de
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